Diane Kruger auf der »Brücke«

Man darf gespannt sein auf die amerikanische Adaption der dänisch-schwedisch-deutschen Serie „Die Brücke“, im ZDF gelaufen mit dem reißerischen Zusatztitel „Transit in den Tod“: schließlich dürfte es eine Weile her sein, dass eine Serie mit deutscher Beteiligung den Sprung über den großen Teich geschafft hat.

Die Hauptrolle der autistisch angehauchten Kommissarin spielt in der amerikanischen Neuinterpretation unser deutscher Exportschlager Diane Kruger . Die im Original im dänisch-deutschen Grenzgebiet angesiedelte Geschichte um einen auf soziale Missstände aufmerksam machenden Serienmörder wurde für die Adaption an die Grenze zwischen den USA und Mexiko verlegt.

Die FAZ hat mit Diane Kruger über ihre erste große Fernsehrolle gesprochen. In der Vorbereitung auf ihre Rolle als Frau mit Asperger Syndrom, habe ihr ihre Autismus-Beraterin gesagt, dass sie selbst einige ähnliche Verhaltensweisen an den Tag lege. Krugers wunderbare Antwort darauf: „Ich bin halt deutsch.“

»Breaking Bad« und Komagucken

Der Schöpfer von „Breaking Bad“ Vince Gilligan glaubt, dass die Serie ohne das Phänomen des Komaguckens – die Amerikaner nennen es „binge watching“ – niemals einen derartigen Erfolg gehabt hätte. So hat er es jedenfalls „Wired“ erzählt.

Wobei „Erfolg“ relativ ist: obwohl die Zuschauerzahlen über die letzten Staffeln hinweg stetig gestiegen sind, erreichte „Breaking Bad“ in der ersten Hälfte der letzten Staffel in den USA durchschnittlich gerade mal 2,6 Mio. Zuschauer – das ist ungefähr so viel wie beispielsweise „Danni Lowinski“ üblicherweise im rund vier mal kleineren deutschen Markt erreicht.

Über die eigenartige Ökonomie hinter der Serie habe ich ja bereits hier ausführlich geschrieben – erstaunlich sind diese „Erfolgs“-Zahlen aber immer wieder.

Das Serienchef-Prinzip

Dass den Dänen und ihrem öffentlich-rechtlichen Sender Danmark Radio mit „Borgen“ und anderen Serien ein kleines europäisches Fernsehwunder gelungen ist, habe ich bereits im Januar ausführlich beschrieben.

Die „Zeit“ hat unserem öffentlich-rechtlichen Rundfunk letzte Woche ein umfangreiches Special gewidmet. Darin hat sich Ulrich Stock ebenfalls auf Spurensuche nach dem Grund für den erstaunlichen Erfolg der Dänen begeben. Für den Autor Adam Price und die Produzentin Camilla Hammerich ist die Antwort darauf ganz einfach: Vertrauen.

„[…] nachdem das Team einmal grünes Licht bekommen hatte, durfte sich niemand mehr einmischen. Da wurde nichts zensiert, nichts geschnitten, nichts verhalbherzigt. ‚Bei uns gilt ein Skript als Kunstwerk‘, sagt Adam. – ‚In vielen Sendern gibt es zu viele Bosse‘, sagt Camilla. Je weniger Hierarchie, desto mehr Idee. In der fünf Jahre langen Arbeit an Borgen gab es nur einen, der inhaltlich das Sagen hatte: den Drehbuchautor Price.“

Borgen

Kreative Autonomie oder, wie Ulrich Stock schreibt, das Serienchef-Prinzip, ist das Geheimnis aller hochgelobten Fernsehserien – seien sie aus den USA, Großbritannien, Dänemark oder auch Österreich.

Bemerkenswerterweise richten sich die europäischen Erfolgsserien aus allesamt öffentlich-rechtlicher Schmiede wie „Downton Abbey“, „Borgen“ oder auch „Braunschlag“ im Gegensatz zu den auf ein Nischenpublikum zugeschnittenen Arthouse-Serien der amerikanischen Kabelsender an ein Mainstream-Publikum – und erzielen dabei auch noch regelmäßig Traumquoten.

Ein weiteres entscheidende Merkmal all dieser Serien ist, dass sie horizontal erzählt werden, also keine in sich geschlossene Episodenhandlung aufweisen. Zumindest bei der ARD scheint es für so etwas in ihrem durchformatierten Programmschema aber keinen Platz zu geben, wie Volker Herres im Interview mit der „Zeit“ unumwunden zugab.

Beim ZDF zeigt man sich da flexibler. Es ist insofern vielleicht auch kein Zufall, dass mit „Das Adlon“, „Unsere Mütter, unsere Väter“, „Verbrechen“ oder auch „Lerchenberg“ einige der interessantesten deutschen Fernsehproduktionen der letzten Zeit aus Mainz kamen.

Den Sprung zur vollwertigen, horizontal erzählten Primetime-Serie hat allerdings auch das ZDF noch nicht gewagt. Aber man wird ja wohl noch träumen dürfen.

Der Fluch der Formatierung

Der ZDF-Sonntagsfilm, auch „Herzkino“ genannt, steht mit seinen Rosamunde-Pilcher Schmonzetten für viele Kritiker für das, was falsch läuft im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Als Gegenprogrammierung zum übermächtigen „Tatort“ ist der Sendeplatz allem Gespött zum Trotz aber eben auch erstaunlich erfolgreich.

Barbara Sichtermann hat sich im Tagesspiegel Gedanken zu dem Format gemacht und beklagt das Paradox, vor dem Fernsehmacher stehen: das Publikum will zwar immer dasselbe, aber auch stets etwas Neues. Das führt gerade bei gut eingeführten Sendeplätzen wie dem Sonntagabend dazu, dass es fast unmöglich wird, aus der „Formatfalle“ auszubrechen und etwas Neues zu wagen. Vor allem das reaktionäre Frauenbild der Sonntagsfilme ist Sichtermann ein Dorn im Auge – dabei ist es vermutlich gerade das, was ihren Erfolg bei der angepeilten Zielgruppe ausmacht.

Ob sich das Publikum irgendwann schlagartig von dem „faulen Zauber“ des „Herzkinos“ abwendet, wie Sichtermann prophezeit, darf allerdings bezweifelt werden. Da scheint mir doch eher der fromme Wunsch Vater des Gedankens.

Flügelschläge im Wertegewitter

Bekenntnisse eines Dramaturgen

Gastbeitrag von Roland Zag

Roland Documenta ohne rot_0Während der Berlinale, oder auch während der Zeit um die Verleihung des deutschen Filmpreises herum, hört man sie wieder besonders laut: die Unzufriedenen, die Empörten, die Enttäuschten. Jedes Jahr wieder kommt der deutsche Film schlecht weg. Von denen, die wissen, wie alles besser wäre, erhält er seine üblichen Ohrfeigen: er sei zu mutlos, zu wenig radikal, zu erfolglos, zu sehr am Erfolg orientiert, zu sehr… (man kann die Begriffe irgendwann austauschen). Reflexartig kommt danach der Blick über den Rhein, nach Frankreich, wo angeblich alles besser ist: die kommerziellen Filme kommerzieller („Ziemlich beste Freunde“, „Willkommen bei den Sch’tis“), der Arthouse-Film radikaler (Stichwort: Filmfestival in Cannes).

Wer hat nun Recht?

Mir kommt vor: die Diskussion ist so alt wie die Geschichte der Kunst. Schon immer gab es den Prioritätenstreit zwischen der Ethik der Mehrheit und jener der Minderheit. Zwischen Anpassung und Rebellion. Immer gab es Leute, welche die Kunst heiter, zugänglich und konventionell haben wollten – und solche, die für Innovation, Herausforderung, Radikalität standen. Die einen lieben den Mainstream, die anderen dürstet es nach schwieriger Kost. Es scheint eine Art Naturgesetz zu geben, das dafür sorgt, dass jedem Trend, der sich zur Mehrheitsmeinung herausbildet, ein Gegentrend antwortet, der die Abspaltung fordert. Immer schon gab und gibt es Menschen, die mehr den Mainstream lieben und solche, die schwere Kost bevorzugen. Die einen sind viele, die anderen wenige. Das ist unabwendbar und wird so bleiben. Weiterlesen

Über das Leben als unbekannter Drehbuchautor

Das Leben als Drehbuchautor ist nicht immer ein Zuckerschlecken, auch nicht in der Traumfabrik im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Justin Marks hat ein schönes, kleines Essay über sein Leben als zwar viel beschäftigter, aber kaum produzierter Drehbuchautor geschrieben.

Der Weg zum erhofften Erfolg ist gepflastert mit Drehbüchern, aus denen nie ein Film wurde, aber zum Glück gibt es ja immer neue Projekte und die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

So hangelt sich der unbekannte Drehbuchautor von Idee zu Idee und Drehbuch zu Drehbuch und dann und wann passiert dann doch das Unglaubliche und ein Buch wird tatsächlich verfilmt! Schön, wenn dann noch der eigene Name im Vorspann steht.

Hier ist ein kleines Interview von Scott Myers mit Marks auf  „Go Into The Story“.

Wird Crowdfunding erwachsen?

Dass Zach Braff auf Kickstarter inzwischen fast 3 Mio. $ für seinen neuen Film „Wish I was here“ eingesammelt hat, hat in der sogenannten „Netzgemeinde“ für viel Unmut gesorgt. Ist es okay, wenn ein bekannter Fernsehstar über eine solche Crowdsourcing-Plattform um Geld bittet? Warum eigentlich nicht?, findet Clive Davies-Frayne in einem Beitrag auf ScriptMag.com.

Braff-kick

Wenn sich Filmemacher, prominent oder nicht, durch eine derartige Zusatzfinanzierung ein größeres Maß an kreativer Unabhängigkeit bewahren können, ist dagegen in der Tat wohl wenig einzuwenden, denn was entspricht mehr dem Spirit des Independent-Kinos?

Auch das Argument, jemand wie Zach Braff könnte ja auch sein eigenes Geld in den Film investieren, zieht nicht wirklich. Zum einen ist es auch und gerade für Stars nicht immer leicht, einzuschätzen, ob beim Publikum Interesse für einen Film besteht. Eine Crowdsourcing-Kampagne ist dabei nicht nur ein guter Gradmesser sondern gleichzeitig ein hervorragendes Marketing-Instrument.

Zum anderen gilt natürlich auch hier die altbewährte, eiserne Regel des Filmgeschäfts, nach der Filme ausschließlich über OPM zu finanzieren sind: Other People’s Money.

Update: Woody Allen ist jetzt anscheinend auch ganz wild auf Crowdfunding.

Alles über Netflix

Beinahe ein Drittel des gesamten Internetverkehrs geht in den USA an einem normalen Abend unter der Woche inzwischen auf das Konto von Netflix. Jedes Quartal sehen die 36 Mio. Abonnenten mehr als 4 Mrd. Stunden Video und stellt damit inzwischen den größten Premium-Pay-TV-Sender HBO in den Schatten. Pay-TV war gestern – die Zukunft gehört On-Demand-Streaming.

Noch vor eineinhalb Jahren sah das Unternehmen angeschlagen aus: die Umstellung auf ein anderes Bezahl-Modell entwickelte sich zu einem veritablen PR-Desaster, in dessen Folge der Aktienkurs von fast 300 $ auf knapp über 50 $ einbrach. Inzwischen liegt die Aktie wieder bei 200 $.

Das und mehr kann man in einem ausführlichen Portrait der Firma und ihres Gründers Reed Hastings auf Bloomberg Businessweek nachlesen.

Leider lässt die schöne neue Welt des Online-Streamings bei uns noch auf sich warten. Mit Lovefilm, maxdome, Watchever, Videoload und Entertain gibt es neben iTunes zwar eine ganze Reihe von VOD-Anbietern – aber diese Fragmentierung ist eher ein Problem als ein Vorteil, schließlich will man ja nicht gleich mehrere Abo-Gebühren zahlen. Auch auf die Preise wirkt sich diese Konkurrenz leider nicht positiv aus – im Gegenteil: an die Flatrate von Netflix kommt keines der deutschen Angebote heran.

Selbst wenn man Zugriff auf all diese Plattformen hätte: das Angebot bleibt immer noch weit hinter dem von Netflix zurück. Wer „Braunschlag“ oder „House of Cards“ sehen will, kommt nach wie vor praktisch nur illegal an die Ware.

Vor allem aber hat es Netflix als einziger Anbieter geschafft, ein großartiges Bedien-Interface zu kreieren, das auf den Film-Konsum zugeschnitten ist und auf jedem Browser läuft.

Zum Glück gibt es die Möglichkeit, Netflix auch in Deutschland zu nutzen, wenn man ein paar technische Hürden umgeht. Und da kann man all die wunderbaren Serien, auf die man bei uns jahrelang warten muss, im Original mit oder ohne Untertiteln sehen, was in Deutschland irgendwie kein Anbieter so richtig hinbekommt.

Es bleibt also noch viel zu tun, bis auch bei uns die wunderbare neue Zeit des legalen Online-Streamings anbricht.

Netflix, Crowdfunding und der Indie-Film

Was bedeuten die Umwälzungen im Medienmarkt für unabhängige Künstler? Dieser Frage geht Nicco Mele in einem Artikel auf Wired nach.

So schön es ist, dass  bei Kickstarter abgesetzte Serien eine neue Chance bekommen oder Hollywood-Stars ihre Vanity-Projekte finanzieren können – eine echte Finanzierungsalternative dürfte Crowd-Funding nur bei Ausnahmeprojekten bleiben. Interessanter ist da schon, dass Netflix seit kurzem mehr Abonnenten vorweisen kann als HBO.

Ob uns damit ein goldenes Zeitalter des „Indie-Kapitalismus“ bevorsteht, wie Bruce Nussbaum meint, oder eher eine „Indiepocalypse“ droht, wie Andy Baio befürchtet? Vermutlich wie immer von beidem etwas.

Der Rattenfänger von Hollywood

Die Risikoscheu von Hollywood-Produzenten treibt bisweilen merkwürdige Blüten: in einem Artikel in der New York Times schreibt Brook Barnes über einen ehemaligen Statistik-Professor, der in Tinseltown derzeit mit Drehbuchanalysen für schlappe 20.000 Dollar das Stück Furore macht.

Vinny Bruzzese, der ansonsten gerne damit prahlt, dass er ein entfernter Verwandter von Albert Einstein sei, greift bei seinen Analysen auf einen Zauberkasten aus statistischen Analysen zurück und leitet aus vergangenen Hits und Flops sowie umfangreichen Zielgruppenbefragungen Empfehlungen für die weitere Drehbuchentwicklung ab.

Für die meisten Drehbuchautoren klingt so etwas wie der reinste Horror – aber offenbar gibt es zumindest einen prominenten Autor, der von dem Feedback begeistert war. Zu schade, dass er anonym bleiben möchte. Schließlich hat er einen Ruf zu verlieren.

Einen unterhaltsamen Kommentar zu dem Artikel  hat Billy Mernit auf seinem Blog veröffentlicht.

Kunst und Kommerz

In einem lesenswerten Artikel in der New York Times beschreibt David Carr den Siegeszug der Anti-Helden in den Serien der US-Kabelsender. Anlass dafür ist ein demnächst erscheinendes Buch von Brett Martin mit dem Titel „Difficult Men: Behind the Scenes of a Creative Revolution“.

Difficult menIn dem Buch beschreibt Martin die Revolution, die nötig war, um derartige Serien zu entwickeln: die kreativen Erfinder der Serien, die Autoren, wurden zu Produzenten.

Damit wurde eine uralte Maxime des Filmgeschäfts auf den Kopf gestellt. Seit den Anfängen des Films waren Drehbuchautoren selten mehr als „Hired Guns“, die schreiben sollten, was Studiobosse oder Filmproduzenten für produzierbar hielten. Wer zahlt schafft an.

Wenn es darum geht, mit Filmen ein möglichst großes Mainstream-Publikum zu erreichen, scheint diese Arbeitsteilung auch gewissen Vorteile zu bieten: der ewige Kampf zwischen Kunst und Kommerz manifestiert sich gewissermaßen im Duopol von Autor und Produzent. Dass das Ergebnis dieses Kampfes nicht immer sehenswert ist, wissen wir alle aus leidvoller Erfahrung. Im besten Fall entstehen dadurch aber die Publikumshits, von denen das Geschäft letztendlich lebt. Weiterlesen

Online-Videos und Fernsehen

Welche Auswirkungen hat die Online-Videonutzung auf den Fernsehkonsum? Bis jetzt erstaunlich wenig. Obwohl die tägliche Nutzungsdauer des Internets immer weiter steigt, wächst auch die tägliche Nutzungsdauer des Fernsehens kontinuierlich. Wir konsumieren einfach immer mehr Medien.

Die Nutzung des Online-Videoangebots hält sich aber immer noch in engen Grenzen. Es ist eben nicht so, wie Heike Bedrich auf dem Blog Digitalstrategie schreibt, dass die Jugend in Deutschland inzwischen mehr Zeit mit Online-Videos als mit Fernsehen verbringt – sie verbringt mehr Zeit im Internet als mit Fernsehen, aber nur einen Bruchteil davon mit Online-Videos.1

Auch wenn sich die folgende Grafik nicht auf deutsche Konsumenten unter 30 Jahren bezieht sondern auf die Gesamtbevölkerung der USA – die Gewichtung der Online-Nutzung dürfte bei uns nicht wesentlich anders aussehen:

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Zwar ist die Anzahl von im Internet abgerufenen Videos beeindruckend – aber dabei handelt sich in aller Regel um kurze Clips. Mehr als 20 oder 30 Minuten am Tag wird wohl auch der pubertierendste Jüngling kaum mit Y-Titty und ähnlichen YouTube-Angeboten verbringen.

Das Fernsehen ist also immer noch König, wenn es um bewegte Bilder geht. Auf seinen Lorbeeren ausruhen darf es sich dennoch nicht – schließlich gibt es gibt immer mehr und immer attraktivere Alternativen zum starren Programmschema des klassischen Rundfunks.

  1. Dass Online-Videos 2013 91 Prozent des Internet-Traffics ausmachen werden, ist in diesem Zusammenhang völlig irrelevant, weil eine Minute grieseliges Online-Video ungefähr 1000 mal mehr Daten verschlingt als eine bunte Website mit einem Haufen Text. []

Warum der deutsche Film so ist, wie er ist

Filmpreis

[spacer size=“20″]Alle Jahre wieder, pünktlich zur Verleihung des Deutschen Filmpreises, erklingt die Klage über die Malaise des deutschen Films. Diesmal ist es Christiane Peitz, die auf Zeit Online unverblümt die Frage stellt: „Warum ist der deutsche Film so schlecht?“

Aber ist er das denn wirklich? Und vor allem, im Vergleich zu was? Welcher Filmindustrie – außer der amerikanischen – geht es eigentlich besser?

Trotz astronomischer Fördersummen schmort auch die französische Filmbranche vor allem in ihrem eigenen Saft. Kaum ein Film, der es über die Landesgrenzen hinaus schafft oder außerhalb Frankreichs ein nennenswertes Publikum findet. „Ziemlich beste Freunde“ ist da nur die Ausnahme, die die Regel bestätigt.

Natürlich, es gibt François Ozon, die Dardenne-Brüder (die allerdings Belgier sind), Mathieu Kassovitz oder Patrice Leconte, die mit schöner Regelmäßigkeit Preise gewinnen, aber wir haben Petzold, Dresen, Glasner, Schmid und Tykwer die ebenfalls mit schöner Regelmäßigkeit Preise gewinnen. Internationale Erfolge fahren sie alle nicht ein. Von Jean-Pierre Jeunet oder Luc Besson, die auch außerhalb Frankreichs ein großes Publikum erreichen konnten, hat man schon lange nichts mehr gehört. Weiterlesen

Mehr Qualität für die Werbung

Es ist schon eine verkehrte Welt, wenn Vertreter der Werbebranche mehr Qualität im Programm von Fernsehsendern anmahnen und sogar der ehemalige RTL-Chef Zeiler das Marken-Image seines früheren Arbeitgebers beklagt.

So geschehen heute auf dem 10. Fernsehwirkungstag, der eigentlich dazu da ist, dass die Leute vom Fernsehen den Leuten von der Werbung erklären, warum sie im Fernsehen Werbung schalten sollen, wie Thomas Lückerath auf DWDL berichtet.

Interessant ist auch der zweite Denkanstoß des Werbevertreters Manfred Kluge: dass nämlich der gehypte Heilige Gral der punktgenauen Werbung auf der Second Screen für die Werbung vielleicht gar nicht so erstrebenswert ist, weil dadurch die Aufmerksamkeit von der Werbung im Fernsehen abgelenkt wird.

Die Aufmerksamkeit des Zuschauers ist eben ein knappes Gut. Das gilt für die Werbung genauso wie für das Werberahmenprogramm.

Neues von der Quote

Rund 1,2 Mio. Zuschauer haben den letzten Münster-Tatort statt im Fernsehen über die ARD-Mediathek geguckt. Damit hatte der Tatort rund 10 Prozent mehr Zuseher, als offiziell über die Quote ausgewiesen wurde.

Dass sich die Fernsehnutzung derzeit radikal verändert ist eine Binsenweisheit. Bislang gab es aber kaum belastbare Zahlen etwa zum Online-Abruf. Sonja Pohlmann berichtet in der Zeit von den Bemühungen der GfK, die die heilige Fernsehquote ermittelt, ihre Messungen auch auf die Online-Portale der Sender auszuweiten. Das ist kompliziert, denn fast jeder Sender verfügt über seine eigene Mediathek. Hinzu kommen Video-on-Demand-Portale wie Entertain, maxdome oder Zattoo.

Die Fernseh-Quote wird derzeit über 5.640 ausgewählte Haushalte ermittelt, in denen rund 11.000 Personen wohnen. Für die Online-Nutzung sollen zusätzlich noch einmal 20.000 Einzelpersonen ausgewählt werden – ein gewaltiger Aufwand. Trotz allem ist weiterhin unklar, wie zuverlässig die Quotenmessung eigentlich ist.

Aber immerhin kommt mit der Erfassung der Online-Nutzung jetzt ein wenig Bewegung in die Quote. Die interessante Frage dabei ist, ob es dabei auch zu qualitativen Verschiebungen kommen wird, schließlich dürften sich Online-Nutzer demographisch in vielerlei Hinsicht von der Gesamtbevölkerung unterscheiden. Man darf gespannt sein.