Downton Abbeys Julian Fellowes über den Vorteil der Serie

Die Los Angeles Times hat einige der besten Autoren und Showrunner zu einem Gespräch an einen runden Tisch gesetzt: Julian Fellowes (Downton Abbey), Beau Willimon (House of Cards), Michelle Ashford (The Americans) und Scott M. Gimple (The Walking Dead).

In einem kleinen Ausschnitt erklärt Julian Fellowes, warum es so viel interessanter ist, eine Serie zu schreiben als einen Kinofilm und gerät im Anschluss ein wenig mit Beau Willimon aneinander.

Sehenswert!

RoundTable

Michael Arndts erster Akt

Drehbuchautor Michael Arndt hat sich beim Schreiben von „Toy Story 3“ einige Gedanken dazu gemacht, was einen guten ersten Akt ausmacht. Dazu hat er die Drehbücher zu „Toy Story“, “ Finding Nemo“ und „The Incredibles“ analysiert und mit seinen Kollegen von Pixar ein hübsches kleines Video produziert, das man gut als Grundkurs zur Einführung in die klassische Drei-Akt-Struktur verwenden könnte.

John August hat das Kleinod auf einer obskuren YouTube-Seite gefunden und nach Rücksprache mit Michael Arndt auf seiner Seite veröffentlicht. Bleibt zu hoffen, dass Disneys und Pixars Anwälte etwas besseres zu tun haben, als gegen diese Urheberrechtsverletzung vorzugehen. So lange das nicht passiert: hier ist das Video.

Vom Falschen zum Richtigen

In der wunderbaren Reihe „The toughest scene I wrote“ von Kyle Buchanan auf Vulture beschreiben diesmal Ethan und Joel Coen, wie sie den richtigen Song für eine Schlüsselszene gefunden haben.

Nach langer erfolgreicher Suche sprachen sie mit Hauptdarsteller Oscar Isaac über die Szene. Isaac schlug einen bluesigen Dave Van Ronk Song vor. Das fanden die beiden Coen-Brüder grundfalsch. Aber warum? Während sie darüber nachdachten, erinnerten sie sich an den Song „The Death of Queen Jane“, den sie schließlich auswählten.

Manchmal führt der Weg zum Richtigen über das Falsche.

Frohe Weihnachten!

Autoren übers Schreiben

Jordan Zakarin hat für Buzzfeed eine Reihe Interviews mit berühmten Drehbuchautoren geführt und sie nach ihrer Arbeitsweise befragt. Dabei wird mal wieder deutlich, wie unterschiedlich die Herangehens- und Arbeitsweisen von Drehbuchautoren sind.

Unter den befragten Autoren sind so klingende Namen wie Richard Curtis („Vier Hochzeiten und ein Todesfall“, „Notting Hill“, „Love, Actually“), Diablo Cody („Juno“, „Young Adult“), Richard Linklater („Before Sunrise“, „Waking Life“) und Nicole Holofcener („Enough Said“).

 

Ein Urheberrecht für die Urheber

Der eigentliche Zweck des Urheberrechts, nämlich den Urheber zu schützen und ihm für seine schöpferische Tätigkeit ein Auskommen zu sichern, ist in der Praxis längst ausgehebelt worden. Das gilt besonders für die Filmbranche. Ein Autor, der einen Drehbuchvertrag unterschreibt, tritt mit seiner Unterschrift de facto sämtliche Rechte an seinem Werk ab und muss sich obendrein den Preis für seine Arbeit diktieren lassen. Gegen die Marktmacht der Fernsehsender hat der einzelne Autor keine Chance.

Selbst wenn sich Urheber in Berufsverbänden organisieren, läuft es für sie nicht unbedingt besser. Das hat sich in den Verhandlungen zu gemeinsamen Vergütungsregeln gezeigt, die der VDD über Jahre hinweg mit dem ZDF geführt hat. Das Ergebnis war so ernüchternd, dass sich eine Schar wütender Drehbuchautoren, die bislang nicht im VDD waren, unter dem Label NORAU zusammengetan hat, um geschlossen in den Verband einzutreten. Das erklärte Ziel: die Vereinbarung mit dem ZDF schnellstmöglich zu kündigen.

Selbst wenn das geschähe, stellt sich immer noch die Frage, wie eine bessere Vereinbarung mit den Sendern zu erzielen wäre – schließlich hat der VDD über Jahre hinweg hartnäckig verhandelt. Das Ergebnis war offenbar das Beste, was herauszuholen war. Ein Berufsverband wie der VDD ist eben keine Gewerkschaft mit Pflichtmitgliedschaft wie die Writer’s Guild in den USA, die mit einem Streik ganz Hollywood lahmlegen kann. Schon allein deshalb sind die in der letzten Urheberrechtsreform geforderten Gemeinsamen Vergütungsregeln offenkundig kein geeignetes Mittel, einen fairen Ausgleich zwischen den Interessen der Urheber und der Verwerter zu schaffen.

In der Süddeutschen Zeitung hat Drehbuchautor Fred Breinersdorfer jetzt einen äußerst interessanten Vorschlag veröffentlicht, der das Potential hat, diese festgefahrene Diskussion nachhaltig zu verändern. Seiner Meinung nach sollten Filme durch eine Urheberrechtsreform nach einer bestimmten Sperrfrist eine Internet-Zwangslizenz erhalten. So verrückt wie das klingt, ist das gar nicht. Vorbild für diesen Vorschlag ist die existierende Zwangslizenz für das Nachspielen von Musikstücken: Jeder kann veröffentlichte Musiktitel nachspielen – er muss nur den Urheber an seinen Erlösen angemessen beteiligen. Dafür zahlt er Gebühren an die GEMA.

Wie wäre es also mit einer Film-GEMA für im Internet verbreitete Filme? Und vielleicht nicht nur Kino-, sondern auch Fernsehfilme?

Der unbestrittene Charme von Fred Breinersdorfers Idee besteht darin, dass sie die üblichen Rechteverwerter außen vorläßt, die es mit ihrer eifersüchtigen Rechte-Heimserei nicht schaffen, ein umfassendes, legales Angebot für Filme im Internet auf die Beine zu stellen, nur um damit das Feld illegalen Streaming-Plattformen zu überlassen, mit denen sich zwielichtige Gestalten eine goldene Nase verdienen, während die Urheber in die Röhre gucken.

Aus Sicht eines Piraten bringt es Bruno Kamm auf seinem Blog schön auf den Punkt:

„Fred Breinersdorfer hat mit seinem Vorstoß die Verwerterindustrie entwaffnet, ihnen das Weihwasser im Kampf gegen den freien Zugang zu Kultur genommen, denn er fordert Urheberrechte für die Urheber und nimmt dabei den Verwertern das Kernargument ihres Kreuzzuges gegen die Piraterie: Das Urheberrecht.“

Wobei Fred Breinersdorfers Vorschlag eben gerade nicht darin besteht, alles im Internet kostenlos verfügbar zu machen. Es geht darum, einen legalen Markt nach dem Vorbild der Streaming-Plattformen zu schaffen, auf denen Erlöse durch Werbung oder Premium-Angebote erzielt werden, an denen die Urheber über eine Verwertungsgesellschaft direkt beteiligt werden.

Natürlich wird die Verwertungsindustrie alles daran setzen, eine Urheberrechtsreform, die mehr den Urhebern als den Verwertern nützt, zu verhindern. Das Spannende an Fred Breinersdorfers Vorschlag ist, dass er die dröge Debatte ums Urheberrecht auf die eigentlich zentrale Frage herunterbricht: Wie lässt sich ein Urheberrecht gestalten, das in erster Linie den Urhebern nützt anstatt den Verwertern?

Auch wenn Breinersdorfers Vorschlag wenig Aussicht hat, jemals Realität zu werden, hilft er vielleicht, die festgefahrene Debatte ums Urheberrecht neu zu beleben. Allein damit wäre viel gewonnen.

Peter Morgan über »Rush« oder: Die Gretchenfrage der Dramaturgie

Drehbuchautor Peter Morgan erzählt in einem Interview mit Bob Verini auf ScriptMag von seinem Erzählansatz für Ron Howards neuen Film „Rush“.

Morgan hat für sein Drehbuch das Konzept der Drei-Akt-Struktur über Bord geworfen und seine Geschichte über die Rivalität zwischen den Formel-1-Legenden Niki Lauda und James Hunt stattdessen selbst wie ein Rennen strukturiert.

Das Beispiel zeigt, dass es jenseits der klassischen Akteinteilung auch ganz andere Prinzipien geben kann, nach denen eine Geschichte strukturiert werden kann. Und die können, wie in diesem Fall, für die Ausarbeitung der Geschichte manchmal wesentlich hilfreicher sein als abstrakte Akteinteilungen.

Vermutlich wird man für den Film, wenn man es darauf anlegt, trotzdem eine Drei-Akt-Struktur definieren können – aber kann man das im Nachhinein nicht immer irgendwie?  Und wenn dem so ist: für was ist Struktur dann eigentlich gut? Dafür, dass eine Geschichte am Schluss eine bestimmte Form aufweist? Oder eher als organisierendes Prinzip, das dem Autor dabei hilft, seine Geschichte zu fokussieren?

Brauchen wir Dramaturgie also, weil Geschichten einem nebulösen Naturgesetz folgend eine bestimmte Form aufweisen müssen? Oder ist Dramaturgie vielmehr dazu da, dem Autor dabei zu helfen, eine möglichst gute Geschichte zu schreiben – der retrospektiv eine Struktur von Anfang-Mitte-Ende zuzuweisen nichts weiter als ein banaler Akt ist?

rush

Im »Breaking Bad« Writers‘ Room

Kurz vor dem Finale hat „Breaking Bad“ nun doch noch den Emmy für die beste Drama-Serie bekommen. Dabei gilt sie für viele schon seit langem als beste Serie überhaupt.

Vor allem aber ist „Breaking Bad“ eine Serie, die wie keine andere das Label „Arthouse-Serie“ verdient. Doch die Geschichte von Walter White wurde nicht von einem genialischen „Auteur“ im stillen Kämmerlein erschaffen, sondern in einem Writers‘ Room voller gleichberechtigter Autoren. Creator und Showrunner Vince Gilligan hat denn auch nicht viel übrig für das ideal des von der Muse geküßten Autors:

„The worst thing the French ever gave us is the auteur theory. It’s a load of horseshit. You don’t make a movie by yourself, you certainly don’t make a TV show by yourself. You invest people in their work. You make people feel comfortable in their jobs; you keep people talking.“

Brett Martin hat dem „Breaking Bad“ Writers‘ Room einen Besuch abgestattet und im Guardian einen aufschlussreichen Artikel darüber veröffentlicht.

Und hier kann man selbst einen Blick in dieses Heiligtum des neuen goldenen Fernsehzeitalters werfen: ein von den Autoren kommentiertes Zeitraffer-Video.

Luc Besson in 7 Filmen

Auf Luc Besson ruhte lange Zeit die Hoffnung aller, die hofften, das europäische Kino könne irgendwann einmal aus den Nischen des Arthouse/Auteur-Films und der nationalen Komödie ausbrechen.

Wie keinem anderen Filmemacher ist es ihm immer wieder gelungen, Genre-Filme  amerikanischen Niveaus mit europäischer Attitüde zu verbinden. Wie weit das gehen kann, hat er mit „The Fifth Element“ bewiesen. Auch wenn der Film für viele vielleicht allzu überdreht war – wohl kein anderer Film kam der Vision dessen, wie so etwas wie ein europäischer Blockbuster aussehen könnte, näher.

Nur leider kam dann nicht mehr viel nach. Jedenfalls nicht an kreativen Meilensteinen. Und es sieht auch nicht so aus, dass sich das mit Luc Bessons neuesten Werk  „The Family“ ändert.  Den neuen Film haben Jessica Kiang, Drew Taylor und Rodrigo Perez von Indiewire aber zum Anlass genommen, den kreativen Werdegang des französischen Filmemachers anhand seiner wichtigsten Filme nachzuzeichnen: „The Assessment: Luc Besson’s Directorial Career In 7 Films“. Sehr lesenswert.

LucBesson

It’s the creative, stupid!

Kevin Spacey hat auf dem Fernsehfestival in Edinburgh eine so scharfzüngige wie unterhaltsame Rede gehalten, von der man nur hoffen kann, das sie von jedem, der in einem Fernsehsender etwas zu sagen hat, gesehen wird.

Wer nicht so viel Zeit hat, sich die ganze Rede anzusehen, die immerhin 46 Minuten lang ist, sollte ab Minute 21:40 hineinschauen, wo Spacey ans Eingemachte geht. Hier sind die besten Passagen daraus.

Zunächst beschreibt Spacey die Reaktion der Networks auf sein Projekt „House of Cards“ und kritisiert die vorherrschende Praxis des Pilotierens der US-Sender. Die Idee von Netflix, alle Folgen von „House of Cards“ auf einmal zu veröffentlichen, sei ein voller Erfolg gewesen:

„The audience wants the control. They want the freedom. If they want to binge […] let them binge. […] Through this new form of distribution we have demonstrated that we have learned the lesson, the music industry didn’t learn: Give people what they want, when they want it, in the form they want it in, at a reasonable price and they’ll more likely pay for it rather than steal it.“

Anschließend kommt Spacey direkt zur Gretchenfrage des Fernsehens und ruft eindringlich zu einem Wandel der Einstellung der Fernsehmanager zu den kreativen Talenten auf:

„We get what the audiences want: they want quality. We get what the talent wants: artistic freedom.  And the only way to protect talent and the quality of our work is to be innovative. We also get what the corporations want […]: They want to make money. And we need them to be profitable so that they can continue to fund high quality production. They want the highest possible audiences with the greatest impact. We get it. The challenge is: can we create an environment, where executives, who live in data and numbers, are emboldened and empowered to support our mission? To have an environment in that leadership will take risks, willing to experiment, be prepared to fail, aiming higher rather than playing it safe? […] We need to be better than the audience. We need to surprise, break boundaries and take viewers to new places. We need to give them better and better quality. We might not disrupt the status quo over night. But we can mould structures at the center of our businesses, because if we really, truly, put talent at the heart of everything we do, we might just be able to have greater highs across a broader spectrum of this industry.“

Anschließend beschreibt Spacey die Erfolgsgeschichte von „Breaking Bad“, das in den ersten Staffeln alles andere als berauschende Zuschauerzahlen erreicht hat und erst nach Veröffentlichung auf Netflix und cleverer Wiederholungsprogrammierung zu dem Hit wurde, der die Serie inzwischen ist.

Schließlich kommt Spacey auf das neue „Goldene Zeitalter“ des Fernsehens zu sprechen: es sei keine Frage mehr, dass das Fernsehen mit Serien wie den „Sopranos“ bis hin zu „Mad Men“ heute das Kino an erzählerischer Qualität in den Schatten stellt. Er prophezeit, dass die Studios und das Kino dem Untergang geweiht sind, wenn sie nicht auf die wachsende Komplexität im Storytelling reagieren und erklärt die Unterschiede zwischen Kino- und Fernsehfilm oder Serie für überholt, weil das Publikum diese Unterscheidung auch nicht mehr vornimmt.

Schließlich wendet sich Spacey noch gegen den Nihilismus des „Nobody knows anything“:

„We do know how this works and it’s always been about empowering artists. […] We know what works. The only thing we don’t know is, why is it so difficult to find executives with the fortitude, the wisdom and the balls to do it?“

Schließlich kommt Spacey zu einem flammenden Aufruf:

„To an unheard of degree, we are finally free from that whory old shadow cast over television since its inception: the shadow of ratings. Not one of us in this room will ever see a 30-share in his lifetime and that’s a wonderful, freeing thing! Netflix did it right and focused on the things that have replaced the dumb, raw numbers of the Nielsen world: they embraced targeted marketing and brand as a virtue higher than ratings. And the audience has spoken: they want stories! They are dying for them. They are rooting for us to give them the right thing. And they will talk about it, binge on it, carry it with them on the bus and to the hairdresser, force it on their friends, tweet, blog, facebook, make fanpages, silly gifs and god knows what else about it. Engage with it, with a passion and intimacy that a blockbuster movie could only dream of. And all we have to do is give it to them. The price fruit is right there, shinier and juicier than its ever been before. So it will be all the more shame on each and every one of us, if we don’t reach out and seize it.“

Hier ist die ganze Rede:

Chaos-Kino statt Action-Ballett

Nicht nur die Plots der Sommer-Blockbuster ähneln sich immer mehr, auch ihre Action-Sequenzen werden immer austauschbarer. In seinem treffend betiteltem Beitrag „Why Most Modern Action Films Are Terrible“ argumentiert Nick Schager, dass der bei Action-Szenen inzwischen vorherrschende Stil des „Chaos-Cinema“ die eigenständige Handschrift traditionell geschulter Action-Regisseure weitgehend verdrängt hat.

Moderne Action-Sequenzen setzen oft eher auf eine Art kalkulierter Reizüberflutung als auf so altmodische Dinge wie kohärente Bewegungsabläufe oder nachvollziehbare räumliche Orientierung – ganz im Gegensatz zu den perfekt durchchoreographieren Action-Balletten von Altmeistern wie John Woo oder auch den Wachowski-Geschwistern in „The Matrix“.

Der Chaos-Stil beruht auf einer Produktionstechnik, bei der mit möglichst vielen Kameras aus möglichst vielen Blickwinkeln möglichst viel Material gedreht wird. Erst bei der Postproduktion wird der Ablauf der Sequenz gestaltet. Wegbereiter der neuen Technik war neben Michael Bay vor allem Paul Greengrass mit seiner „Bourne“-Trilogie.

Inzwischen ist dieser Action-Stil allerdings zur Massenware verkommen. Wie Schager in seinem Artikel ausführt, ist der Grund dafür vor allem, dass sich diese Form des Action-Drehs gut auf Second Units auslagern lässt. Das eröffnet den Studios die Möglichkeit, mit Regisseuren zu arbeiten, die noch wenig oder keine Erfahrung beim Inszenieren von Action-Sequenzen haben, dafür aber ein stärkeres Augenmerk auf die Figurenführung legen – und wer wollte dagegen protestieren? Der Preis dafür scheinen zunehmend industriell gefertigte und ästhetisch austauschbar wirkende Action-Sequenzen zu sein. Irgendeinen Tod muss man offenbar sterben.

Montags-Drehbücher

Auf dem Blog Read Watch Write veröffentlicht Brad Johnson seit kurzem jeden Montag ausgewählte Drehbücher zum kostenlosen Download.

bladerunner

Diese Woche hat er „Blade Runner“ online gestellt. In den letzten Wochen waren bereits unter anderem die Drehbücher zu „A Clockwork Organge“, „Witness“, „There will be Blood“ und „(500) Days of Summer“ an der Reihe. Wer gerne Drehbücher liest, sollte sich die Seite merken.

 

Spielberg, Lucas und das Ende des Kinos

Die apokalyptischen Äußerungen von George Lucas und besonders Steven Spielberg über den bevorstehenden Untergang Hollywoods haben in der Blogosphäre ziemlich große Wellen geschlagen. Natürlich ist es eine große Ironie, dass ausgerechnet die beiden Filmemacher, die als die Erfinder des Blockbusters gelten, darüber klagen, dass Hollywood an den immer aufwändigeren, teureren und gleichzeitig immer einförmigeren Mega-Filmen zu ersticken droht.„There’s going to be an implosion where three or four or maybe even a half-dozen mega-budget movies are going to go crashing into the ground, and that’s going to change the paradigm“, orakelte Steven Spielberg im Hollywood Reporter.

Ironman

David Edelstein hat für das New York Magazine ein lesenswertes Interview mit der Produzentin Lynda Obst geführt, das ein Licht auf die Hintergründe der neuen Hollywood Angst scheint. Als Grund für die Entwicklung sieht sie vor allem den Zusammenbruch des DVD-Marktes und die neue Dominanz des internationalen Geschäfts, das inzwischen 80 Prozent des Umsatzes der Hollywood-Studios ausmacht. Wer noch mehr von Lynda Obst lesen will, dem sei ihr Essay auf Salon.com ans Herz gelegt.

Richard Brody denkt im New Yorker schon einen Schritt weiter und fragt sich, ob auch die amerikanische Filmindustrie demnächst eine Förderung braucht, damit jenseits von Superhelden und Weltuntergangsphantasien auch noch inhaltlich anspruchsvollere Filme entstehen können. Dabei wagt er einen Blick auf den Weltmarktführer in Sachen Filmförderung: Frankreich. Was er da sieht, empfindet er allerdings alles andere als ermutigend.

Scott Myers hat sich auf „Go into the Story“ ebenfalls Gedanken zu dem Thema gemacht und sieht sich an, wie Blockbuster noch vor zehn Jahren aussahen. Der wesentliche Unterschied zu heute: keine Superhelden und kaum Sequels.

Myers legt den Finger in die Wunde, wenn er sich fragt, warum ausgerechnet die so extrem risikoscheuen Anzugträger in den Studios inzwischen ausschließlich auf immer teurere Filme setzen. Irgendwie erinnert mich das an die Zeit vor der Finanzkrise, als es Immobilien waren, für die kein Preis zu hoch zu sein schien…

Neues von der Urknalltheorie

Wer die zweite Hälfte der sechsten Staffel von „The Big Bang Theory“ noch nicht gesehen hat, sei vorgewarnt: das Interview mit Producer Steve Molaro auf Vulture enthält einige Spoiler.

Wem das egal ist – es ist schließlich eine Sitcom – der erfährt hier, wie die Macher zu einigen Standards der Serie stehen: Werden wir jemals Howards Mutter zu Gesicht bekommen? Wann bekommt William Shatner endlich einen Gastauftritt? Wie ist Pennys Nachname? Und wird sie irgendwann als Schauspielerin Erfolg haben?

So viel sei auf jeden Fall schon einmal verraten: das Liebesleben der vier Nerds wird in den letzten zwei Episoden tiefgreifende Veränderungen erfahren!

Die Gebrüder Coen

Hier ist eine 40-minütige Dokumentation der BBC über die Coen-Brüder, die erst vor kurzem auf YouTube hochgeladen wurde. Sie ist zwar schon ein bisschen älter, aus dem Jahr 2000 um genau zu sein, aber dafür erfährt man, was etwa George Clooney oder Holly Hunter über das berühmte und berüchtigte Brüderpaar zu sagen haben.

Leider ist die Qualität nicht sonderlich toll, aber das wird echte Fans sicher abschrecken.  (via Go into the Story)

Über das Leben als unbekannter Drehbuchautor

Das Leben als Drehbuchautor ist nicht immer ein Zuckerschlecken, auch nicht in der Traumfabrik im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Justin Marks hat ein schönes, kleines Essay über sein Leben als zwar viel beschäftigter, aber kaum produzierter Drehbuchautor geschrieben.

Der Weg zum erhofften Erfolg ist gepflastert mit Drehbüchern, aus denen nie ein Film wurde, aber zum Glück gibt es ja immer neue Projekte und die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

So hangelt sich der unbekannte Drehbuchautor von Idee zu Idee und Drehbuch zu Drehbuch und dann und wann passiert dann doch das Unglaubliche und ein Buch wird tatsächlich verfilmt! Schön, wenn dann noch der eigene Name im Vorspann steht.

Hier ist ein kleines Interview von Scott Myers mit Marks auf  „Go Into The Story“.