Chaos-Kino statt Action-Ballett

Nicht nur die Plots der Sommer-Blockbuster ähneln sich immer mehr, auch ihre Action-Sequenzen werden immer austauschbarer. In seinem treffend betiteltem Beitrag „Why Most Modern Action Films Are Terrible“ argumentiert Nick Schager, dass der bei Action-Szenen inzwischen vorherrschende Stil des „Chaos-Cinema“ die eigenständige Handschrift traditionell geschulter Action-Regisseure weitgehend verdrängt hat.

Moderne Action-Sequenzen setzen oft eher auf eine Art kalkulierter Reizüberflutung als auf so altmodische Dinge wie kohärente Bewegungsabläufe oder nachvollziehbare räumliche Orientierung – ganz im Gegensatz zu den perfekt durchchoreographieren Action-Balletten von Altmeistern wie John Woo oder auch den Wachowski-Geschwistern in „The Matrix“.

Der Chaos-Stil beruht auf einer Produktionstechnik, bei der mit möglichst vielen Kameras aus möglichst vielen Blickwinkeln möglichst viel Material gedreht wird. Erst bei der Postproduktion wird der Ablauf der Sequenz gestaltet. Wegbereiter der neuen Technik war neben Michael Bay vor allem Paul Greengrass mit seiner „Bourne“-Trilogie.

Inzwischen ist dieser Action-Stil allerdings zur Massenware verkommen. Wie Schager in seinem Artikel ausführt, ist der Grund dafür vor allem, dass sich diese Form des Action-Drehs gut auf Second Units auslagern lässt. Das eröffnet den Studios die Möglichkeit, mit Regisseuren zu arbeiten, die noch wenig oder keine Erfahrung beim Inszenieren von Action-Sequenzen haben, dafür aber ein stärkeres Augenmerk auf die Figurenführung legen – und wer wollte dagegen protestieren? Der Preis dafür scheinen zunehmend industriell gefertigte und ästhetisch austauschbar wirkende Action-Sequenzen zu sein. Irgendeinen Tod muss man offenbar sterben.

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