Das Goldene Zeitalter – wie lange noch?

Wie in dem Beitrag „‚Breaking Bad‘, die Dänen und wir“ beschrieben, beruht das gegenwärtige „Goldene Zeitalter“ des Fernsehens mindestens ebenso auf dem Geschäftsmodell der amerikanischen Kabel- und Pay-TV-Landschaft wie auf einer kreativen Renaissance.

Dieses Geschäftsmodell hat zu einem regelrechten Qualitätswettbewerb unter den Fernsehsendern geführt, die sich mit immer neuen, anspruchsvollen Fernsehserien geradezu überbieten. Die Frage ist nur – wie lange noch?

Aufgrund der Eigenheiten des amerikanischen Marktes sind die Cable-TV-Sender nicht darauf angewiesen, ein möglichst großes Publikum zu erreichen, vielmehr muss es ihnen gelingen, eine möglichst treue Fangemeinde für ihr Programm aufzubauen. Das begünstigt die Entstehung künstlerisch wertvoller Serien, die sich vom Mainstream abheben – die unter „normalen“ Marktbedingungen aufgrund des kleinen Publikums, das sie erreichen, aber keine Chance hätten.

Mit dem Eintritt von Netflix in den Markt hochwertiger TV-Serien gewinnt der noch einmal an Dynamik. Ein Artikel im Atlantic beschäftigt sich mit den ökonomischen Hintergründen hinter dieser Entscheidung. „The goal is to become HBO faster than HBO can become us.“ So bringt Ted Sarandos von Netflix die Strategie auf den Punkt – ein Frontalangriff also auf die etablierten Player, der aber zunächst einmal mehr Geld für die Kreativen und ein größeres Angebot an „Qualitätsserien“ bedeutet.

Rebecca Greenfield stellt sich im AtlanticWire die Frage, wie lange dieses „Goldene Zeitalter“ des Fernsehens noch andauern wird und präsentiert dabei eine Reihe äußerst interessanter Zahlen. Zunächst einmal stellt sie fest, dass die Kabelsparten der großen Medienkonzerne nach wie vor die großen Geldbringer sind. Aber es gibt erste Anzeichen, dass sich das ändert: die Abonnentenzahlen sind seit einiger Zeit rückläufig, wenn auch nicht dramatisch. Gleichzeitig steigen die Preise für die Kabelangebote aber kontinuierlich.

Derzeit haben 86 Prozent der amerikanischen Haushalte  Kabelfernsehen abonniert – für das Basisangebot zahlen sie im Schnitt 65$ im Monat. Hinzu kommen noch einmal durchschnittlich 21$ für Premium-Pay-TV-Sender wie HBO, Showtime oder Stars. Insgesamt kommt ein Kabel-TV-Haushalt also auf 86$ Abonnenement-Gebühren im Monat. Das ist eine Menge Geld, auch im Vergleich zur deutschen „Zwangsgebühr“ von 17,98 € im Monat. Allerdings bekommt man dafür auch deutlich mehr: die Pakete der Kabelnetzbetreiber beinhalten hunderte Sender, darunter solche wie den Nicht-Premium-Sender AMC, der sich mit Serien wie „Mad Men“ und „Breaking Bad“ ein treues Publikum aufgebaut hat.

Allerdings ist zu erwarten, dass die Abonnentenzahlen in Zukunft weiter unter Druck geraten. Zum einen werden die Abonnementgebühren in den nächsten Jahren stark steigen, auf geschätzte 200$ pro Monat im Jahr 2020. Grund dafür sind unter anderem die gestiegenen Programmausgaben der Sender – all die teuren Serien müssen ja auch irgendwie bezahlt werden.

Wenn das Beispiel von Netflix Schule macht und andere branchenfremde Player wie Amazon und Google (über YouTube) ebenfalls hochwertige Serien zum Direkt-Download anbieten, braucht man kein Wahrsager zu sein, um vorauszusehen, dass immer mehr Haushalte auf die teuren Kabelgebühren verzichten werden, was irgendwann auch auf die Kabel-Sender durchschlagen wird.

Bis dahin aber wird die zusätzliche Konkurrenz das Geschäft mit hochwertigen TV-Serien erst einmal weiter anheizen. Für die nächsten Jahre werden wir uns also sicherlich keine Sorgen machen müssen. Irgendwann aber werden die neuen Anbieter den klassischen Pay-TV-Sendern das Wasser abgraben – und dann werden aller Voraussicht nach wieder die alten Marktgesetze greifen und das heißt beim Fernsehen nun mal: Masse statt Klasse. Und wenn die Erfahrung mit allem, was mit dem Internet zu tun hat weiterhin gilt, könnte das schneller gehen, als man denkt.

Genießen wir das Goldene Zeitalter also, solange wir es haben.

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