Das Serienchef-Prinzip

Dass den Dänen und ihrem öffentlich-rechtlichen Sender Danmark Radio mit „Borgen“ und anderen Serien ein kleines europäisches Fernsehwunder gelungen ist, habe ich bereits im Januar ausführlich beschrieben.

Die „Zeit“ hat unserem öffentlich-rechtlichen Rundfunk letzte Woche ein umfangreiches Special gewidmet. Darin hat sich Ulrich Stock ebenfalls auf Spurensuche nach dem Grund für den erstaunlichen Erfolg der Dänen begeben. Für den Autor Adam Price und die Produzentin Camilla Hammerich ist die Antwort darauf ganz einfach: Vertrauen.

„[…] nachdem das Team einmal grünes Licht bekommen hatte, durfte sich niemand mehr einmischen. Da wurde nichts zensiert, nichts geschnitten, nichts verhalbherzigt. ‚Bei uns gilt ein Skript als Kunstwerk‘, sagt Adam. – ‚In vielen Sendern gibt es zu viele Bosse‘, sagt Camilla. Je weniger Hierarchie, desto mehr Idee. In der fünf Jahre langen Arbeit an Borgen gab es nur einen, der inhaltlich das Sagen hatte: den Drehbuchautor Price.“

Borgen

Kreative Autonomie oder, wie Ulrich Stock schreibt, das Serienchef-Prinzip, ist das Geheimnis aller hochgelobten Fernsehserien – seien sie aus den USA, Großbritannien, Dänemark oder auch Österreich.

Bemerkenswerterweise richten sich die europäischen Erfolgsserien aus allesamt öffentlich-rechtlicher Schmiede wie „Downton Abbey“, „Borgen“ oder auch „Braunschlag“ im Gegensatz zu den auf ein Nischenpublikum zugeschnittenen Arthouse-Serien der amerikanischen Kabelsender an ein Mainstream-Publikum – und erzielen dabei auch noch regelmäßig Traumquoten.

Ein weiteres entscheidende Merkmal all dieser Serien ist, dass sie horizontal erzählt werden, also keine in sich geschlossene Episodenhandlung aufweisen. Zumindest bei der ARD scheint es für so etwas in ihrem durchformatierten Programmschema aber keinen Platz zu geben, wie Volker Herres im Interview mit der „Zeit“ unumwunden zugab.

Beim ZDF zeigt man sich da flexibler. Es ist insofern vielleicht auch kein Zufall, dass mit „Das Adlon“, „Unsere Mütter, unsere Väter“, „Verbrechen“ oder auch „Lerchenberg“ einige der interessantesten deutschen Fernsehproduktionen der letzten Zeit aus Mainz kamen.

Den Sprung zur vollwertigen, horizontal erzählten Primetime-Serie hat allerdings auch das ZDF noch nicht gewagt. Aber man wird ja wohl noch träumen dürfen.

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