Der Fluch der Formatierung

Der ZDF-Sonntagsfilm, auch „Herzkino“ genannt, steht mit seinen Rosamunde-Pilcher Schmonzetten für viele Kritiker für das, was falsch läuft im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Als Gegenprogrammierung zum übermächtigen „Tatort“ ist der Sendeplatz allem Gespött zum Trotz aber eben auch erstaunlich erfolgreich.

Barbara Sichtermann hat sich im Tagesspiegel Gedanken zu dem Format gemacht und beklagt das Paradox, vor dem Fernsehmacher stehen: das Publikum will zwar immer dasselbe, aber auch stets etwas Neues. Das führt gerade bei gut eingeführten Sendeplätzen wie dem Sonntagabend dazu, dass es fast unmöglich wird, aus der „Formatfalle“ auszubrechen und etwas Neues zu wagen. Vor allem das reaktionäre Frauenbild der Sonntagsfilme ist Sichtermann ein Dorn im Auge – dabei ist es vermutlich gerade das, was ihren Erfolg bei der angepeilten Zielgruppe ausmacht.

Ob sich das Publikum irgendwann schlagartig von dem „faulen Zauber“ des „Herzkinos“ abwendet, wie Sichtermann prophezeit, darf allerdings bezweifelt werden. Da scheint mir doch eher der fromme Wunsch Vater des Gedankens.

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