Die verhängnisvolle Eigendynamik der Blockbuster-Spirale

Der Drehbuchautor Damon Lindelof hat eine eigene Erklärung dafür, warum Hollywood-Blockbuster in den letzten Jahren immer ähnlicher geworden sind: Story Gravity.

Für Lindelof gibt es für die beklagenswerte Entwicklung keinen klaren Schuldigen – weder die Studios noch das Publikum noch Autoren oder Regisseure. Vielmehr erklärt er, dass dem Blockbuster ein inhärenter Drang innewohnt, immer größer und spektakulärer zu werden – immer noch einen draufzusetzen war letztlich das Prinzip, nach dem die Mega-Filme, die für Hollywood so lange eine sichere Nummer waren, funktionierten. Scott Brown formuliert es in seinem Artikel fürs New York Magazine so:

No one necessarily asks for it; it just kind of happens. It’s what Lindelof calls Story Gravity, and dealing with it—whether that means resisting it or simply surfing it skillfully—is the great challenge of writing this new breed of tentpole blockbuster. The question used to be: How do we top ourselves? The new one seems to be: How do we stop ourselves?

Es scheint hier also eine Entwicklung zum Ende zu kommen, die Steven Spielberg und George Lucas einst mit der Erfindung des Blockbusters angestoßen haben. Die einfache aber äußerst erfolgreiche Idee dahinter war, einen Film wie eine Attraktion eines Vergnügungsparks aufzubauen und den Zuschauer durch eine Achterbahn visuell spektakulärer Set-Pieces zu schicken.

Das Problem dabei ist, dass sich diese Special-Effects-Spektakel schnell verbrauchen: wenn einmal ein Hochhaus in die Luft geflogen ist, muss beim nächsten Blockbuster schon eine ganze Stadt dran glauben, wenn man dem Publikum noch etwas neues bieten will.

Richtig inflationär wurde diese Entwicklung durch die Digitalisierung der Postproduktion, durch die die natürliche Grenze dessen, was man alles in die Luft jagen konnte, praktisch aufgehoben wurde.

Inzwischen gehört die lustvolle Zerstörung des Planeten Erde zum Standard-Repertoire des Sommer-Blockbusters. Auch wenn technisch mehr möglich wäre – mit der routinemäßigen Zerstörung allen Lebens auf unserem Planeten stoßen die Geschichten an die Grenze dessen, was erzählenswert ist. Wie soll man das noch toppen? Soll man nach der Erde noch das Sonnensystem zerstören? Was macht das für einen Unterschied?

Hier rächt sich, dass diese Art von Action-Spektakeln zu immer einförmigeren Geschichten geführt haben, die kaum mehr Variationen zulassen: eben jene Story Gravity, von der Lindelof spricht und die unweigerlich dazu führt, dass es immer nur noch um die Rettung der Welt geht.

So schwer es auch fallen wird – der Blockbuster wird sich inhaltlich neu erfinden müssen, wenn er eine Zukunft haben will. „World War Z“ und „Startrek Into Darkness“ haben erste Schritte in diese Richtung getan. Weitere werden folgen. Denn das schöne Geschäft mit den großen Filmen werden sich die Studios mit Sicherheit nicht entgehen lassen wollen.