Mehrteiler versus Serien

Mit „Das Adlon“ und „Unsere Mütter, unsere Väter“ erlebt der Fernseh-Mehrteiler in Deutschland gerade eine kleine Renaissance. Gerade bei letzterem, der ja als eine Art deutscher „Band of Brothers“ konzipiert und rezipiert wurde, stellt sich die Frage, warum die Form von drei mal 90 Minuten gewählt wurde und nicht etwa die einer sechs-teiligen Serie mit beinahe gleicher Gesamtlauflänge. Oder, wenn man schon dabei ist, warum man nicht eine komplette 12-teilige Serie daraus gemacht hat. Der Stoff hätte es sicherlich hergegeben.

Thomas Lückerath argumentiert in einem Beitrag auf dwdl.de, dass es im Gegensatz zu den meisten anderen Ländern in Deutschland keine Tradition der Serie gäbe.

Zwar gibt es in Deutschland durchaus eine Serientradition, allerdings eher am Vorabend. Und für den ist ein Stoff wie „Unsere Mütter, unsere Väter“ sicherlich denkbar ungeeignet. In der Primetime gib es für eine 50-minütige Serie im Programmschema der Öffentlich-rechtlichen aber einfach keinen Platz.

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Auch wenn der Einzelspielfilm, den es in dieser Form im Fernsehen fast nur in noch in Deutschland gibt, seinen eigenen Charme hat – die Serie ist sicherlich die für das Fernsehen ureigenste Form, auch weil sie ökonomisch am sinnvollsten ist: mit „Unsere Mütter, unsere Väter“ als Serie hätte das ZDF ganze sechs Abende hervorragend bestücken können, mit allen positiven Effekten für das Begleitprogramm. More bang for the buck, würde der Amerikaner sagen.

Natürlich ist eine sechs-teilige Serie aber letztlich auch nur eine „halbe Serie“ – um die 12 Folgen pro Staffel sind mehr oder weniger internationaler Standard. Eine volle 12-teilige Serie mit dem production value von „Unsere Mütter, unsere Väter“ zu beauftragen, übersteigt momentan aber sicherlich den Risiko-Appetit sämtlicher Sendeverantwortlicher in Deutschland – verständlicherweise, denn schon mit den drei mal 90 Minuten hat man sich für hiesige Verhältnisse sehr weit aus dem Fenster gelehnt.

Aber vielleicht löst ja der große internationale Erfolg der anspruchsvollen Primetime-Serie auch in deutschen Filmredaktionen ein gewisses Umdenken aus. Zu wünschen wäre es. Denn es wäre schade, wenn das „Goldene Zeitalter der Serie“ an Deutschland völlig spurlos vorübergeht.

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