Von Hass- und Identifikationsfiguren

Auf ihrem Blog Bang2Write beschreibt Lucy Hay pointiert wie immer, warum Reese Witherspoons Elle in „Legally blonde“ allen Vorurteilen zum Trotz eine hervorragend konstruierte dramatische Figur ist: 3 Reasons, Why LEGALLY BLONDE Is Like, The Best Characterisation Totally, Ever.

In der Tat ist die Figur äußerst interessant, denn – ganz egal wie man zur Farbe rosa steht – eine sympathische Figur ist Elle auf den ersten Blick nicht. Im Gegenteil: sie ist in jeder erdenklichen Weise schrecklich.

Aber dann passiert das Unglaubliche: man fängt trotz allem an, sich für das Schicksal dieser Terror-Blondine zu interessieren. Man nimmt Anteil. Und am Ende des Films ist man ganz und gar auf ihrer Seite.

Das Beispiel zeigt, warum der Begriff der „Identifikationsfigur“ so problematisch ist. Sicherlich wird es die eine oder andere Frau geben, die sich mit der dargestellten Elle identifizieren kann – das dürfte aber bei weitem die Minderheit sein. Trotzdem nimmt man Anteil an ihrer Geschichte.

Was eine gute Hauptfigur auszeichnet ist nicht ihr Identifikationspotential und auch nicht ob sie sympathisch ist oder nicht, sondern ob man Anteil an ihrem Schicksal nimmt. Es geht um Empathie, nicht Sympathie.

Empathie entsteht aber nicht durch sympathische – sprich in der Praxis: gefällige – Charakterisierung, sondern durch die Handlung: es geht darum, was der Figur widerfährt und wie sie damit umgeht.

Dieser Unterschied scheint sich bei uns leider noch nicht weit genug herumgesprochen zu haben. Zu oft herrscht nach wie vor die Tyrannei der sympathischen Hauptfigur. Das Beispiel „Legally Blonde“ zeigt, dass es auch auch anders geht – auch bei Mainstream-Filmen.

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