Immer nur Komödien?

Die Abhängigkeit des deutschen Kinofilms von der Komödie hat sich im vergangenen Jahr bitter gerächt: minus 20 Prozent Marktanteil für deutsche Filme, internationale Koproduktionen wir „Cloud Atlas“ und „Resident Evil“ mit eingerechnet. Lediglich zwei rein deutsche Produktionen konnten mehr als eine Million Besucher ins Kino locken: „Türkisch für Anfänger“ und „Fünf Freunde“. Und das, obwohl das Jahr 2012 für die deutschen Kinos das erfolgreichste überhaupt war.

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Grund für die Misere: bis auf „Türkisch für Anfänger“ haben die deutschen Komödien letztes Jahr an der Kinokasse reihenweise versagt. Zwar scheint Matthias Schweighöfers gestern gestarteter „Schlussmacher“ die lange Durststrecke deutscher Komödien endlich zu beenden – die Frage ob und wie sich der deutsche Kinofilm aus der engen Nische der Komödie befreien kann, ist aber aktueller denn je. Denn letztes Jahr gab es mit Til Schweigers „Schutzengel“ und Detlev Bucks „Vermessung der Welt“ auch zwei mutige Versuche, dem deutschen Mainstream-Publikum andere Genres schmackhaft zu machen – funktioniert hat es leider nicht: beide kamen nicht einmal in die Nähe der Besuchermillion.

Lag es an der Qualität der Filme oder ist der beharrliche Unwillen des deutschen Publikums, sich anderen Genres zu öffnen einfach zu groß? Vielleicht hat Schweiger mit dem Genre des Action-Thrillers auch etwas zu hoch gegriffen – mit der Materialschlacht der amerikanischen Konkurrenz mitzuhalten dürfte auch in Zukunft für eine rein deutsche Produktion äußerst schwierig sein. Insofern hat vielleicht Simon Verhoevens nächstes Projekt, das als Horror-Thriller firmiert, bessere Chancen.

Historische Stoffe wie Bucks „Vermessung der Welt“ sind zwar ebenfalls notorisch schwierig, aber immerhin gab es hier in der Vergangenheit einige Erfolge, vor allem auch was Geschichten über das Dritte Reich angeht.

Trotz dieser Schwierigkeiten ist sehr zu hoffen, dass die ehrgeizigen Versuche, deutsche Genre-Filme zu produzieren nun nicht gleich wieder eingestellt oder auf Low-Budget-Produktionen begrenzt werden. Und nach jahrzehntelanger Komödien-Diät ist es vielleicht auch nicht weiter verwunderlich, dass das Publikum erst wieder langsam an andere Seherfahrungen herangeführt werden muss.

Die Millionen-Euro-Frage ist natürlich, welche anderen Genres für deutsche Kinofilme erfolgversprechend sein könnten. Könnte ein gut gemachter Horror-Film wie „The Others“ nicht auch in Deutschland funktionieren? Was ist mit Fantasy? Was ist mit Abenteuer-Filmen? Auch Science Fiction muss heute nicht mehr gleich das Budget sprengen, wo man so viel im Computer herstellen kann. Und was ist eigentlich aus dem Animationsfilm geworden?

Zu guter letzt zeigt das Beispiel „Türkisch für Anfänger“, dass auch deutsche Komödien nicht immer nur nach dem bewährten Muster der deutschen Beziehungskomödie funktionieren müssen. Spätestens seit dem Erfolg von Judd Apatows Komödien und Filmen wie „Hangover“ sollte klar sein, dass derber, politisch unkorrekter und gerne auch sexuell expliziter Humor beim jungen Publikum bestens ankommt und dass gewagtere, kantigere Figuren nicht nur akzeptiert sondern geradezu verlangt werden.

Wenn der Erfolg von „Türkisch für Anfänger“ mit dazu beiträgt, die Tyrannei der „sympathischen Hauptfigur“ zu beenden, die allzu viele deutsche Komödien in gepflegter  Langeweile versinken lässt, wäre schon viel gewonnen.

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