Wo ist die Lobby für die Serie?

Zum Amtsantritt des neuen WDR-Intendanten Tom Buhrow stellt Norbert Schneider in der FAZ die Frage, ob es einen Zusammenhang zwischen der üblicherweise mit Journalisten besetzten Führung öffentlich-rechtlicher Sender und der schwachen Stellung der Fiktion, vor allem der Serie, bei ARD und ZDF gibt.

Dabei weist er auf einen wunden Punkt hin, der in der Diskussion in der Tat oft vernachlässigt wird:

„Wenn man sich Serien wie „Mad Men“ in Deutschland produziert nicht vorstellen kann, dann gibt es sie zunächst deshalb nicht, weil es die Bücher nicht gibt. Die aber gibt es vor allem deshalb nicht, weil die Drehbuchautoren (und die Produzenten) sich den zeitlichen Vorlauf, der nötig wäre, nicht leisten können. Und warum? Das können sie deshalb nicht, weil das System, das sich diese Serien finanziell locker leisten könnte – schließlich ist es das reichste der Welt -, weil das System sie sich nicht leistet. Nicht einmal: sich nicht leisten will. Sondern viel einfacher: sich nicht leistet. Weil es keinen gibt, der sich der Sache derart annimmt, dass sie etwas werden könnte.“

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Herstellung fiktionaler Programme eigenen Gesetzen folgt, die sich vom sonstigen Fernsehgeschäft stark unterscheiden – vor allem hinsichtlich der Zeit, die es braucht, um sie zu realisieren. Während  ein Journalist gewohnt ist, in Zeiträumen von Tagen, Wochen oder bestenfalls Monaten zu denken, ist allein die Entwicklung guter Drehbücher oft eine Sache von Jahren – eine Zeit, die den Machern im schnelllebigen Fernsehgeschäft viel zu selten zugestanden wird. Das Ergebnis sind unterentwickelte Drehbücher, halbgare Geschichten und wenig aufregende Filme und Serien.

Schneider kommt zu dem Schluss, dass das fiktionale Programm im deutschen Fernsehen keine starke Lobby hat und fordert ein Umdenken. Wenn wir nicht immer neidisch nach Amerika oder – paradoxerweise – Schweden oder Dänemark schielen wollen, muss das Fiktionale und speziell die stiefmütterlich behandelte Serie zur Chefsache werden. Wahre Worte.

Tony Soprano

Neues Geld für alte Sender

Obwohl die Werbeerlöse der großen Free-TV-Sender in den USA – den sogenannten „Networks“ ABC, CBS, NBC und Fox – seit Jahren stetig sinken, sind sie finanziell so gut aufgestellt wie nie zuvor. Wie Josef Adalian in einem aufschlussreichen Artikel auf Vulture.com aufzeigt, haben sich die Networks in den letzten Jahren eine Vielzahl neuer Finanzierungswege erschlossen.

Vor allem Streaming-Dienste wie Netflix aber auch Amazon tragen substantiell zum Budget neuer Serien bei, aber auch Auslandsvorverkäufe spielen eine immer größere Rolle. So kann CBS etwa für seine Stephen-King-Adaption „Under the Dome“ schon im Vorfeld das gesamte Produktionsbudget der Serie refinanzieren.

Für weniger prominente Produktionen dürfte das allerdings nicht im gleichen Maß gelten. Und wie lange der Geldregen der Streaming-Anbieter andauert, ist ebenfalls fraglich. Trotzdem: der oft beschworene Untergang des klassischen linearen Fernsehens fällt wohl erst einmal aus.

Die Schweiz in Dänemark

Und noch ein Artikel über das dänische Serienwunder: diesmal hat Peer Teuwsen für Zeit Online eine Delegation des Schweizer Fernsehens nach Dänemark begleitet, die dort erfahren möchte, wie die Dänen das hinkriegen mit den tollen Serien.

Ob man die dänischen Serien nun gleich „die besten der Welt“ nennen muss, sei dahingestellt. Aber zweifellos haben sie eine Qualität, von der wir nur träumen können. Interessant finde ich in diesem Zusammenhang die drei „Dogmen“, die die Kollegen vom dänischen Fernsehen aufgestellt haben:

  1. „Der Autor ist die Voraussetzung für unsere Existenz.“
  2. „Wir möchten Geschichten erzählen, die uns etwas über uns selbst erzählen. So verstehen wir unseren öffentlich-rechtlichen Auftrag, dafür bezahlen uns die Bürger.“
  3. „Es darf keine Konsensentscheidungen geben.“

Das kann man alles nur unterschreiben.

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Interessant in dem Artikel ist auch der kleine Einblick in das Fernsehland Schweiz. Von der Einwohnerzahl her in etwa mit Dänemark vergleichbar, hat die Schweiz aufgrund ihrer Mehrsprachigkeit allerdings nicht einen einheitlichen Fernsehmarkt sondern drei. Wahrlich keine beneidenswerte Situation.

Was einen einmal mehr dazu verleitet, nachzudenken, was in einem vergleichsweise großen Markt wie Deutschland möglich sein könnte.

Die deutsche Serie: verzweifelt gesucht

Über die merkwürdige Argumentation, dass es in Deutschland aufgrund fehlender „Serientradition“ keine guten Serien gebe, habe ich mich auch schon gewundert. Jens Mayer äußert sich zum selben Thema in einem schönen Kommentar auf Torrent. So mokiert er sich zu Recht darüber, dass Fernsehsender nun schon Mini-Produktionen wie den „Tatortreiniger“ oder „Lerchenberg“ als Serien ausgeben.

fahnder

Vor allem aber kritisiert  Mayer , dass den deutschen Senderchefs offenbar das Bewusstsein dafür fehlt, wie wichtig eine erfolgreiche, langlaufende Serie für einen Fernsehsender sein kann:

Bei all der aktuellen Euphorie über die (zumindest hierzulande) meist positiven Reaktionen auf Mehrteiler wie Unsere Mütter, unsere Väter vergessen die Programmmacher anscheinend gerne die Identitätsstiftung, die eine über Jahre laufende Serie für einen Sender bieten kann. Wir wissen auch heute noch, auf welchem Kanal Monaco Franze oder Kir Royal liefen, Der Fahnder oder Auf Achse, Die Schwarzwaldklinik oder Ich heirate eine Familie. Es wird vergessen, wie sehr fortlaufend erzählte Stories und langlebige Figuren die Zuschauer an die Sendermarke binden, wie positiv sie damit besetzt wird.

Sollte deutschen Fernsehmachern tatsächlich entgangen sein, dass die Serie nicht zuletzt aus den von Mayer genannten Gründen das ureigenste Format und die Königsdisziplin des Fernsehens ist? Oder liegt es doch nur wieder an dem, was zu beklagen inzwischen wirklich nur noch ein Klischee ist: dem fehlendem Mut der Verantwortlichen?

Eine kurze Geschichte des Fernsehens

Nach der kurzen Geschichte des Drehbuchs folgt hier eine kurze Geschichte des Fernsehens: Ars Technica beschreibt kurz und bündig die – technische – Entwicklung des Fernsehens von seinen Anfängen in den 30er Jahren über das Aufkommen des Videorecorders bis zu HD und Streaming.

Ein Folgeartikel wird sich mit der zukünftigen Entwicklung beschäftigen. Stay tuned – gleiche Welle, gleiche Stelle!

The Trajectory of Television—starting with a big history of the small screen | Ars Technica

Neues von der Urknalltheorie

Wer die zweite Hälfte der sechsten Staffel von „The Big Bang Theory“ noch nicht gesehen hat, sei vorgewarnt: das Interview mit Producer Steve Molaro auf Vulture enthält einige Spoiler.

Wem das egal ist – es ist schließlich eine Sitcom – der erfährt hier, wie die Macher zu einigen Standards der Serie stehen: Werden wir jemals Howards Mutter zu Gesicht bekommen? Wann bekommt William Shatner endlich einen Gastauftritt? Wie ist Pennys Nachname? Und wird sie irgendwann als Schauspielerin Erfolg haben?

So viel sei auf jeden Fall schon einmal verraten: das Liebesleben der vier Nerds wird in den letzten zwei Episoden tiefgreifende Veränderungen erfahren!

»Breaking Bad« und Komagucken

Der Schöpfer von „Breaking Bad“ Vince Gilligan glaubt, dass die Serie ohne das Phänomen des Komaguckens – die Amerikaner nennen es „binge watching“ – niemals einen derartigen Erfolg gehabt hätte. So hat er es jedenfalls „Wired“ erzählt.

Wobei „Erfolg“ relativ ist: obwohl die Zuschauerzahlen über die letzten Staffeln hinweg stetig gestiegen sind, erreichte „Breaking Bad“ in der ersten Hälfte der letzten Staffel in den USA durchschnittlich gerade mal 2,6 Mio. Zuschauer – das ist ungefähr so viel wie beispielsweise „Danni Lowinski“ üblicherweise im rund vier mal kleineren deutschen Markt erreicht.

Über die eigenartige Ökonomie hinter der Serie habe ich ja bereits hier ausführlich geschrieben – erstaunlich sind diese „Erfolgs“-Zahlen aber immer wieder.

Das Serienchef-Prinzip

Dass den Dänen und ihrem öffentlich-rechtlichen Sender Danmark Radio mit „Borgen“ und anderen Serien ein kleines europäisches Fernsehwunder gelungen ist, habe ich bereits im Januar ausführlich beschrieben.

Die „Zeit“ hat unserem öffentlich-rechtlichen Rundfunk letzte Woche ein umfangreiches Special gewidmet. Darin hat sich Ulrich Stock ebenfalls auf Spurensuche nach dem Grund für den erstaunlichen Erfolg der Dänen begeben. Für den Autor Adam Price und die Produzentin Camilla Hammerich ist die Antwort darauf ganz einfach: Vertrauen.

„[…] nachdem das Team einmal grünes Licht bekommen hatte, durfte sich niemand mehr einmischen. Da wurde nichts zensiert, nichts geschnitten, nichts verhalbherzigt. ‚Bei uns gilt ein Skript als Kunstwerk‘, sagt Adam. – ‚In vielen Sendern gibt es zu viele Bosse‘, sagt Camilla. Je weniger Hierarchie, desto mehr Idee. In der fünf Jahre langen Arbeit an Borgen gab es nur einen, der inhaltlich das Sagen hatte: den Drehbuchautor Price.“

Borgen

Kreative Autonomie oder, wie Ulrich Stock schreibt, das Serienchef-Prinzip, ist das Geheimnis aller hochgelobten Fernsehserien – seien sie aus den USA, Großbritannien, Dänemark oder auch Österreich.

Bemerkenswerterweise richten sich die europäischen Erfolgsserien aus allesamt öffentlich-rechtlicher Schmiede wie „Downton Abbey“, „Borgen“ oder auch „Braunschlag“ im Gegensatz zu den auf ein Nischenpublikum zugeschnittenen Arthouse-Serien der amerikanischen Kabelsender an ein Mainstream-Publikum – und erzielen dabei auch noch regelmäßig Traumquoten.

Ein weiteres entscheidende Merkmal all dieser Serien ist, dass sie horizontal erzählt werden, also keine in sich geschlossene Episodenhandlung aufweisen. Zumindest bei der ARD scheint es für so etwas in ihrem durchformatierten Programmschema aber keinen Platz zu geben, wie Volker Herres im Interview mit der „Zeit“ unumwunden zugab.

Beim ZDF zeigt man sich da flexibler. Es ist insofern vielleicht auch kein Zufall, dass mit „Das Adlon“, „Unsere Mütter, unsere Väter“, „Verbrechen“ oder auch „Lerchenberg“ einige der interessantesten deutschen Fernsehproduktionen der letzten Zeit aus Mainz kamen.

Den Sprung zur vollwertigen, horizontal erzählten Primetime-Serie hat allerdings auch das ZDF noch nicht gewagt. Aber man wird ja wohl noch träumen dürfen.

Der Fluch der Formatierung

Der ZDF-Sonntagsfilm, auch „Herzkino“ genannt, steht mit seinen Rosamunde-Pilcher Schmonzetten für viele Kritiker für das, was falsch läuft im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Als Gegenprogrammierung zum übermächtigen „Tatort“ ist der Sendeplatz allem Gespött zum Trotz aber eben auch erstaunlich erfolgreich.

Barbara Sichtermann hat sich im Tagesspiegel Gedanken zu dem Format gemacht und beklagt das Paradox, vor dem Fernsehmacher stehen: das Publikum will zwar immer dasselbe, aber auch stets etwas Neues. Das führt gerade bei gut eingeführten Sendeplätzen wie dem Sonntagabend dazu, dass es fast unmöglich wird, aus der „Formatfalle“ auszubrechen und etwas Neues zu wagen. Vor allem das reaktionäre Frauenbild der Sonntagsfilme ist Sichtermann ein Dorn im Auge – dabei ist es vermutlich gerade das, was ihren Erfolg bei der angepeilten Zielgruppe ausmacht.

Ob sich das Publikum irgendwann schlagartig von dem „faulen Zauber“ des „Herzkinos“ abwendet, wie Sichtermann prophezeit, darf allerdings bezweifelt werden. Da scheint mir doch eher der fromme Wunsch Vater des Gedankens.

Vince Gilligan über das Ende von »Breaking Bad«

Ein gutes Ende für eine erfolgreiche Serie zu schreiben, ist alles andere als leicht – vor allem bei Serien wie „Breaking Bad“, die nicht episodisch geprägt sind, sondern horizontal durcherzählt werden.

Während ein Spielfilm von vorneherein auf den Höhepunkt und die Auflösung hin konstruiert wird, müssen Autoren das Ende einer Serie gewissermaßen improvisieren. Insofern ist es wenig überraschend, dass das Ergebnis gelegentlich auch enttäuscht, wie etwa bei „Lost“ oder den „Sopranos“.

Es ist daher eine spannende Frage, wie Vince Gilligan und seine Autorenkollegen eine der herausragendsten Serien der letzten Zeit beenden werden: Geht Walter White ins Gefängnis? Stirbt er? Oder kommt er irgendwie davon?

In einem Interview gibt Vince Gilligan auf Vulture interessante Einblicke in den kreativen Prozess rund um die letzte Staffel von „Breaking Bad“ und hat auch ansonsten viel interessantes zu sagen.

Das Ende verrät er natürlich nicht, außer, dass es seiner Einschätzung nach eine Art Sieg für Walter White ist – aber so wie man ihn kennt sicherlich mit einem interessanten Twist.

 

Netflix, Crowdfunding und der Indie-Film

Was bedeuten die Umwälzungen im Medienmarkt für unabhängige Künstler? Dieser Frage geht Nicco Mele in einem Artikel auf Wired nach.

So schön es ist, dass  bei Kickstarter abgesetzte Serien eine neue Chance bekommen oder Hollywood-Stars ihre Vanity-Projekte finanzieren können – eine echte Finanzierungsalternative dürfte Crowd-Funding nur bei Ausnahmeprojekten bleiben. Interessanter ist da schon, dass Netflix seit kurzem mehr Abonnenten vorweisen kann als HBO.

Ob uns damit ein goldenes Zeitalter des „Indie-Kapitalismus“ bevorsteht, wie Bruce Nussbaum meint, oder eher eine „Indiepocalypse“ droht, wie Andy Baio befürchtet? Vermutlich wie immer von beidem etwas.

Kunst und Kommerz

In einem lesenswerten Artikel in der New York Times beschreibt David Carr den Siegeszug der Anti-Helden in den Serien der US-Kabelsender. Anlass dafür ist ein demnächst erscheinendes Buch von Brett Martin mit dem Titel „Difficult Men: Behind the Scenes of a Creative Revolution“.

Difficult menIn dem Buch beschreibt Martin die Revolution, die nötig war, um derartige Serien zu entwickeln: die kreativen Erfinder der Serien, die Autoren, wurden zu Produzenten.

Damit wurde eine uralte Maxime des Filmgeschäfts auf den Kopf gestellt. Seit den Anfängen des Films waren Drehbuchautoren selten mehr als „Hired Guns“, die schreiben sollten, was Studiobosse oder Filmproduzenten für produzierbar hielten. Wer zahlt schafft an.

Wenn es darum geht, mit Filmen ein möglichst großes Mainstream-Publikum zu erreichen, scheint diese Arbeitsteilung auch gewissen Vorteile zu bieten: der ewige Kampf zwischen Kunst und Kommerz manifestiert sich gewissermaßen im Duopol von Autor und Produzent. Dass das Ergebnis dieses Kampfes nicht immer sehenswert ist, wissen wir alle aus leidvoller Erfahrung. Im besten Fall entstehen dadurch aber die Publikumshits, von denen das Geschäft letztendlich lebt. Weiterlesen

Online-Videos und Fernsehen

Welche Auswirkungen hat die Online-Videonutzung auf den Fernsehkonsum? Bis jetzt erstaunlich wenig. Obwohl die tägliche Nutzungsdauer des Internets immer weiter steigt, wächst auch die tägliche Nutzungsdauer des Fernsehens kontinuierlich. Wir konsumieren einfach immer mehr Medien.

Die Nutzung des Online-Videoangebots hält sich aber immer noch in engen Grenzen. Es ist eben nicht so, wie Heike Bedrich auf dem Blog Digitalstrategie schreibt, dass die Jugend in Deutschland inzwischen mehr Zeit mit Online-Videos als mit Fernsehen verbringt – sie verbringt mehr Zeit im Internet als mit Fernsehen, aber nur einen Bruchteil davon mit Online-Videos.1

Auch wenn sich die folgende Grafik nicht auf deutsche Konsumenten unter 30 Jahren bezieht sondern auf die Gesamtbevölkerung der USA – die Gewichtung der Online-Nutzung dürfte bei uns nicht wesentlich anders aussehen:

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Zwar ist die Anzahl von im Internet abgerufenen Videos beeindruckend – aber dabei handelt sich in aller Regel um kurze Clips. Mehr als 20 oder 30 Minuten am Tag wird wohl auch der pubertierendste Jüngling kaum mit Y-Titty und ähnlichen YouTube-Angeboten verbringen.

Das Fernsehen ist also immer noch König, wenn es um bewegte Bilder geht. Auf seinen Lorbeeren ausruhen darf es sich dennoch nicht – schließlich gibt es gibt immer mehr und immer attraktivere Alternativen zum starren Programmschema des klassischen Rundfunks.

  1. Dass Online-Videos 2013 91 Prozent des Internet-Traffics ausmachen werden, ist in diesem Zusammenhang völlig irrelevant, weil eine Minute grieseliges Online-Video ungefähr 1000 mal mehr Daten verschlingt als eine bunte Website mit einem Haufen Text. []

Mehr Qualität für die Werbung

Es ist schon eine verkehrte Welt, wenn Vertreter der Werbebranche mehr Qualität im Programm von Fernsehsendern anmahnen und sogar der ehemalige RTL-Chef Zeiler das Marken-Image seines früheren Arbeitgebers beklagt.

So geschehen heute auf dem 10. Fernsehwirkungstag, der eigentlich dazu da ist, dass die Leute vom Fernsehen den Leuten von der Werbung erklären, warum sie im Fernsehen Werbung schalten sollen, wie Thomas Lückerath auf DWDL berichtet.

Interessant ist auch der zweite Denkanstoß des Werbevertreters Manfred Kluge: dass nämlich der gehypte Heilige Gral der punktgenauen Werbung auf der Second Screen für die Werbung vielleicht gar nicht so erstrebenswert ist, weil dadurch die Aufmerksamkeit von der Werbung im Fernsehen abgelenkt wird.

Die Aufmerksamkeit des Zuschauers ist eben ein knappes Gut. Das gilt für die Werbung genauso wie für das Werberahmenprogramm.

Beau Willimon über Frank Underwood

Zur Frage, ob eine Hauptfigur den Sympathietest bestehen muss, habe ich gerade eben erst geschrieben. Der Autor und Showrunner der Netflix-Serie „House of Cards“ Beau Willimon hat mit Kevin Spaceys Frank Underwood eine Figur geschaffen, die erst gar nicht versucht, sympathisch zu erscheinen. Auch Willimon ist der Ansicht, dass nicht Sympathie ausschlaggebend für eine gute Hauptfigur ist, sondern Interesse und Anteilnahme.

Willimon argumentiert, dass uns unmoralische Figuren in Geschichten möglicherweise deshalb faszinieren, weil sie uns erlauben, gefahrlos unsere eigenen unmoralischen Seiten zu ergründen. Ein interessanter Aspekt.

Wer mehr über Willimons Ansichten zu Netflix, Binge-Watching (kann da mal jemand ein deutsches Wort für erfinden?) und Walter White erfahren möchte, sollte sich den ganzen Artikel auf Vulture durchlesen. Und wer dann noch mehr wissen will, kann sich hier ein Podcast-Interview mit ihm ansehen.