Der tote Hund und der Zuschauer

Die Eröffnungsszene von “House of Cards”, in der Kevin Spacey als Frank Underwood einen angefahrenen Hund tötet, ist deshalb so berühmt, weil sie mit einem ehernen Gesetz des Fernsehens bricht, nämlich, dass die Hauptfiguren zuallererst sympathisch zu sein haben.

Die Szene ist auch deshalb so berühmt, weil sie beispielhaft zeigt, wie anders die neuen Fernsehserien im Gegensatz zu denen der Mainstream-Fernsehsender funktionieren.

Bei einem Podiumsgespräch zwischen dem langjährigen Disney-Boss Michael Eisner und “House of Cards” Showrunner Beau Willimon, hat Willimon erzählt, dass die Szene bei der Entwicklung durchaus kontrovers diskutiert wurde: die Serie würde in den ersten 30 Sekunden die Hälfte ihres Publikums einbüßen, wurde Willimon immer wieder gewarnt.

Doch Netflix ließ sich von Willimon und David Fincher überzeugen, die Eröffnungsszene trotzdem zu behalten – und wurde so zum künstlerischen Triumph über die Tyrannei des Harmlosen, die das massentaugliche Fernsehen so sehr beherrscht.

Tatsächlich büßte “House of Cards” einen großen Teil des Publikums durch diese Szene ein, wie Netflix-Chef Reed Hastings, kürzlich offenbarte“A lot of people just—click, turned offWhen we watch the stats, it’s like this,” he said, pointing to the floor.

Allerdings ist die Serie vermutlich ohnehin nichts für Leute, die eine solche Szene nicht aushalten, wie Beau Willimon völlig richtig anmerkt. Ob sie nach 30 Sekunden abschalten oder die zweite Folge nicht mehr ansehen, ist letztlich egal. Für die Zuschauer, die es nach etwas anderem als der ewig gleichen weichgespülten Fernsehunterhaltung dürstet, ist die Eröffnungsszene jedoch ein Signal: hier bekommt ihr was anderes zu sehen.

So erfrischend es also einerseits ist, wenn bei Fernsehserien Konventionen gebrochen werden und anders erzählt wird, so deutlich sind auch die Auswirkungen auf die Zuschauerzahlen. Es ist daher leider auch nicht zu erwarten, dass deutsche Free-TV-Sender, ob öffentlich-rechtlich oder privat, demnächst derartige Serien machen werden.

Aber auch fürs Mainstream-Fernsehen gilt: es lohnt sich, Risiken einzugehen und das Publikum herauszufordern. Es muss ja nicht gleich in der Eröffnungsszene ein Hund erwürgt werden. Aber der Weg des geringsten Widerstands führt letzten Endes doch nur zur größten Langweile. Und daran sollten auf lange Sicht auch Mainstream-Sender kein Interesse haben.

Update: Das vollständige Gespräch zwischen Eisner und Willimon kann man hier ansehen.

Alle Theorien in einem Chart

Jedem, der sich ausführlich mit Drehbuchtheorien auseinandergesetzt hat, dürfte aufgefallen sein, dass jeder dieser Drehbuch-Gurus sein eigenes Vokabular für das mehr oder weniger identische Konzept verwendet: das der klassischen Drei-Akt-Struktur.

Die Autorin Ingrid Sundberg hat sich in einer wunderbaren Fleißarbeit die Mühe gemacht, die unterschiedlichen Begrifflichkeiten der gängigsten Drehbuchtheorien in einem Schaubild zusammenzufassen.

Neben den Drei-Akt-Propheten Syd Field und Robert McKee enthält die Grafik unter anderem die beiden “Monomyth”-Vertreter Joseph Campbell und Christopher Vogler und natürlich darf auch der derzeit so angesagte Blake Snyder (“Save the Cat”) nicht fehlen.

Sehr interessant und äußerst hilfreich, wenn in einer Drehbuchbesprechung mal wieder völlige Begriffsverwirrung herrscht (via Flixe).

Drei-Akt-Modelle

Downton Abbeys Julian Fellowes über den Vorteil der Serie

Die Los Angeles Times hat einige der besten Autoren und Showrunner zu einem Gespräch an einen runden Tisch gesetzt: Julian Fellowes (Downton Abbey), Beau Willimon (House of Cards), Michelle Ashford (The Americans) und Scott M. Gimple (The Walking Dead).

In einem kleinen Ausschnitt erklärt Julian Fellowes, warum es so viel interessanter ist, eine Serie zu schreiben als einen Kinofilm und gerät im Anschluss ein wenig mit Beau Willimon aneinander.

Sehenswert!

RoundTable

Drehbücher zu Serienpiloten

Breaking BadZurück zum alten Mantra: “Mehr Drehbücher lesen!” Angelika Unterholzner weist auf ihrem immer lesenswerten Blog Flixe auf eine Sammlung der zehn beliebtesten Drehbücher zu Serienpiloten hin.

Mit dabei sind neben den Pilotfolgen zu “Breaking Bad”, “Lost” und “Mad Men” auch die Sitcoms “30 Rock”, “Modern Family” und “New Girl”.

Also nicht lang fackeln: runderladen und lesen!

 

Von der Seifenoper zur Kunstform

Während sich die inhaltliche Diskussion in Deutschland nach wie vor um die Frage dreht, wie man auch in unserer Fernsehlandschaft horizontal erzählte Serien mit nicht uneingeschränkt sympathischen Hauptfiguren erzählen könnte, geht die Entwicklung der Serien in den USA bereits einen Schritt weiter, wie Matt Zoller Seitz in einem äußerst lesenswerten Artikel auf Vulture zeigt.

Die Renaissance der Fernsehserie wurde letztlich durch das Aufbrechen der in sich geschlossenen Episodenstruktur hin zu staffelübergreifender, horizontaler Erzählweise ausgelöst, die es ermöglicht, wesentlich komplexere Geschichten und tiefere Figurenentwicklungen zu erzählen. Erst dadurch konnte das künstlerisch bis dato eher belächelte Erzählformat Fernsehserie eine erzählerische Kraft entfalten, die an die der besten Romane heranreicht.

Allerdings hat sich schnell gezeigt, dass die horizontale Erzählweise im Umkehrschluss auch bedeutet, dass man eine Serie nicht mehr beliebig lang, open-end, fortsetzen kann. Denn wenn es eine horizontale Entwicklung der Figuren gibt, dann muss die auch irgendwann zu einem Ende kommen, wenn es nicht hanebüchen werden soll. Weiterlesen

Der tote Hund

Ein dramaturgischer Beitrag zum Thema Kultserien

Ein Gastbeitrag von Jürgen Seidler

 

Wer sich erinnert: Die Serie „House of Cards“ beginnt damit, dass der Protagonist Francis Underwood einen angefahrenen Hund erwürgt. Dabei spricht er über Schmerzen, die er in zwei Kategorien einteilt, in solche die unnötig sind und in solche, die einen stärker machen.

Dieser tote Hund steht für mich zeichenhaft für eine andere Dramaturgie, die mit dieser und weiteren Serien, einhergeht. Das Tier, als mögliches Objekt der Einfühlung und Identifikation, wird getötet. Wenig später, noch bevor wir die Titel der Serie lesen, spricht der Protagonist zu uns, dem Zuschauer und erklärt die politischen Zusammenhänge, in die uns die Serie entführen wird. Dieses Brechtsche Moment der Ansprache an die Zuschauer und die Verweigerung der emotionalen Einfühlung bestimmen diese jüngste amerikanische Serie, die wir auch in Deutschland breit und feuilletonistisch diskutieren. Dieser schon sehr entwickelten Diskussion möchte ich einige Aspekte als Autor und Dramaturg anfügen, der vor allem in Deutschland sein Brot verdient.

Standen bei den „Sopranos“ und auch noch in „Breaking Bad“ die Familie als moralischer, wertehaltiger Bezug im Mittelpunkt der Erzählung, so ist dieser uramerikanische Wert in „House of Cards“ aufgegeben worden. Es zählt nur noch die egozentrische Liebe zu sich selbst, die Anbetung des Ichs. In allen dreien dieser Serien sind die männlichen Protagonisten Mörder, was schon einen wesentlichen Paradigmenwechsel darstellte. Die Verweigerung weiterer emphatischer Mittel zur Identifikation mit den Protagonisten ist nur ein konsequenter Schritt. Weiterlesen

Netflix als Hilfeschrei

Das mögliche Eintreten von Netflix auf den deutschen Markt wird ja fast so sehr herbeigesehnt, wie das Erscheinen des Heilands höchstpersönlich. Warum eigentlich?

Thomas Lückerath hat auf DWDL einen ausführlichen Artikel zum Netflix-Hype in Deutschland veröffentlicht. Darin macht er klar, dass die hohen Erwartungen sich aller Voraussicht nach nicht erfüllen werden. Das liegt zum einen daran, dass auch Netflix für ein gutes deutsches Angebot auf Lizenzen angewiesen ist. Und viele dieser Streaming-Lizenzen sind für den deutschen Markt schon an Wettbewerber vergeben, angefangen von Sky über Maxdome und Watchever bis hin zu Amazon Prime. Dass Netflix in Amerika ein gutes Angebot an Serien und Spielfilmen hat, bedeutet also noch lange nicht, dass das auch in Deutschland der Fall wäre.

Im Übrigen ist das Angebot von Netflix auch in den USA nicht so gut, wie man beim sehnsüchtigen Blick über den Atlantik gerne vermutet. Wer Zugang zu einem amerikanischen Netflix-Account hat, weiß beispielsweise, dass sämtliche HBO-Serien nicht auf Netflix zu finden sind.

In der Tat haben wir mit Maxdome, Watchever, Entertain und neuerdings auch Amazon Prime bereits ein gutes Angebot an Streaming-Anbietern. Der Eintritt von Netflix in den deutschen Markt wird dieses Angebot bestenfalls ergänzen – eine Revolution wird es nicht.

Lückerath stellt völlig richtig fest, dass der große Hype um Netflix sich wohl weniger aus der Sehnsucht nach einem gutem Streaming-Angebot nährt als vielmehr in der Hoffnung, dass dann auch in Deutschland bessere Serien produziert werden. Dabei hat Netflix auf diesem Gebiet bislang lediglich mit “House of Cards” große Aufmerksamkeit erregt, die meisten der hochgelobten Serien stammen nach wie vor von Pay-TV-Sendern. Und ob Netflix überhaupt auch Serien für den deutschen Markt produzieren wird, steht noch völlig in den Sternen. Lückerath schließt daher:

Wunder vollbringen kann auch Netflix nicht. Je intensiver man sich auf diese Spurensuche einlässt, desto deutlicher wird am Ende: Die deutsche Hoffnung auf Netflix ist ein Hilfeschrei. Nicht Netflix ist so unglaublich gut — das deutsche Fernsehen nur oft so unfassbar schlecht.”

Was das deutsche Publikum will ist vor allem ein höheres erzählerisches Niveau im Serienbereich. Das können – oder wollen – die deutschen Free-TV-Sender aber bislang nicht bieten, auch wenn in letzter Zeit ein wenig Bewegung in den Markt zu kommen scheint.

Eine deutsche Antwort auf den Netflix-Erfolg ist also keine technische Frage. Es ist eine Frage des Storytellings. Darauf sollten sich die Anstrengungen konzentrieren. Eigene serielle Produktionen sind der Schlüssel zum Erfolg des Fernsehens dieser Tage.”

Lückerath hat Recht: die Bedeutung von eigenproduzierten Serien ist durch das Abflauen der Casting- und Reality-TV-Welle so groß wie lange nicht mehr. Der einstige Marktführer RTL kann ein Lied davon singen, aber auch die anderen Sender haben sich viel zu lange auf ihren Quoten-Lorbeeren ausgeruht.

Trotzdem gibt es bei allen großen deutschen Sendern bislang bestenfalls zaghafte Versuche, in die schöne neue Serienwunderwelt aufzubrechen. Das ist zu wenig und vielleicht auch schon zu spät.

 

Michael Arndts erster Akt

Drehbuchautor Michael Arndt hat sich beim Schreiben von “Toy Story 3″ einige Gedanken dazu gemacht, was einen guten ersten Akt ausmacht. Dazu hat er die Drehbücher zu “Toy Story”, ” Finding Nemo” und “The Incredibles” analysiert und mit seinen Kollegen von Pixar ein hübsches kleines Video produziert, das man gut als Grundkurs zur Einführung in die klassische Drei-Akt-Struktur verwenden könnte.

John August hat das Kleinod auf einer obskuren YouTube-Seite gefunden und nach Rücksprache mit Michael Arndt auf seiner Seite veröffentlicht. Bleibt zu hoffen, dass Disneys und Pixars Anwälte etwas besseres zu tun haben, als gegen diese Urheberrechtsverletzung vorzugehen. So lange das nicht passiert: hier ist das Video.

Der Showrunner als Regisseur

Was ist der Unterschied zwischen einer tollen und einer misslungenen Serie, hat die Zeit US-Kritiker Alan Sepinwall gefragt. Seine Antwort: “Es ist die Vision. […] Die Autoren hatten sehr spezielle Ansätze und durften das größtenteils genau so umsetzen.”

Wie bereits viele andere vor ihm betont Sepinwall die Wichtigkeit des Showrunners für den Erfolg einer Qualitätsserie. Er ist die Person, “die das letzte Wort hat, die kreative Vision. Der Showrunner ist im Grunde das, was der Regisseur im Kino ist.”

Im Interview erklärt Sepinwall weiter, warum sich mit Netflix alles verändert und was wir in Zukunft für Serien erwarten dürfen. Lesenswert.

house-of-cards

Warum wir nicht Serie können

In einem ausführlichen, gut recherchiertem Artikel beschreibt Jochen Förster in Brand Eins sehr treffend die Situation im deutschen Fernsehmarkt: “Wir Serienmuffel”. Entlarvend sind die Kommentare der zitierten Programmmacher, die erahnen lassen, warum beim langen Marsch durch die öffentlich-rechtlichen Institutionen aus so vielen guten Ideen meistens doch nur deutsches Fernsehen wird.

Wir Serienmuffel - brand eins online

Die Probleme, die Förster benennt, sind hier schon oft angesprochen worden: mangelnde Risikofreude, zu wenig Freiheit für die Autoren und viel zu kleine Budgets.

Das interessanteste Detail versteckt sich aber in dem Info-Kasten über das Dänische Fernsehen: rund 1 Mio Euro gibt Danmarks Radio für eine Folge ihrer “Qualitätsserien” aus, während eine Serienfolge in Deutschland mit rund der Hälfte auskommen muss. Und das sieht man.

Förster rechnet vor, dass DR knapp fünf Prozent des Jahresbudgets in Qualitätsserien investiert. Beim Jahresetat der ARD von 6,5 Mrd. Euro wären das 325 Mio Euro. Damit könnte man schlappe 160 Folgen “Breaking Bad” produzieren. Wenn man wollte.

Dazu müsste man aber so denken wie Nadia Kløvedal Reich, die bei Danmarks Radio den Bereich Drama leitet:

„Um eine Serie auf HBO-Niveau zu machen, braucht man Geld, vor allem aber Geist. Wir bei DR planen sehr langfristig, unsere Autoren schreiben jetzt schon für die Saison 2016/17. Wir arbeiten in kleinen Teams, die sich lange kennen. Und wir lassen unseren Kreativen ein Maximum an Freiheit.“

Kann der Dame nicht mal jemand einen Job bei uns anbieten?

Who Killed the Romantic Comedy?

In einem ausführlichen und gründlich recherchierten Artikel für LA Weekly geht Amy Nicholson der Frage nach, was zum plötzlichen Tod der Romantic Comedy geführt hat: “Who Killed the Romantic Comedy?

Interessant ist dabei ihre Beobachtung, dass für den Erfolg von RomComs weniger die Zugkraft des weiblichen Stars als vielmehr des männlichen Parts entscheidend zu sein scheint. Sowohl Meg Ryan als auch Julia Roberts waren noch völlig unbekannt, als sie mit “When Harry met Sally” und “Pretty Woman” groß herauskamen, während ihre männlichen Gespielen Billy Crystal und Richard Gere schon davor Stars waren.

Ganz ähnlich läuft es in Deutschland, wo die RomCom wie in einer Art Biotop nach wie vor gut funktioniert – solange Matthias Schweighöfer, Til Schweiger, Elyas M’Barek oder – mit Einschränkungen – Christian Ulmen mitspielen. Die Frauen an ihrer Seite scheinen dagegen weitgehend austauschbar zu sein.

Sollte dem deutschen Publikum auch noch die Lust an der RomCom vergehen, sieht es allerdings zappenduster aus fürs deutsche Kino, schließlich ist die romantische Komödie heimischer Bauart das einzige Genre, das einigermaßen zuverlässig ein Millionenpublikum ins Kino lockt. Ohne sie läge der Marktanteil deutscher Filme nicht bei knapp 20 sondern unter 5 Prozent. 

Während Hollywood immer weiter auf immer teurere Superheldenfilme setzt, ist der deutsche Film also bis auf weiteres auf Gedeih und Verderb auf den Erfolg der romantischen Komödie angewiesen.

Besonders nachhaltig sind beide Geschäftsmodelle nicht.

Zwei verschiedene Welten

Alle Welt redet derzeit über Netflix und “House of Cards” – aber wie viele Menschen gucken die Serie tatsächlich? Auf Sat.1 war sie jedenfalls ein veritabler Flop, was den ein oder anderen Fernsehkritiker prompt an den Zuschauern verzweifeln ließ.

Tatsächlich ist es aber auch in den USA so, dass Serien wie “House of Cards”, “Girls” oder “True Detective” zwar die Berichterstattung beherrschen, von den Zuschauerzahlen her aber längst nicht an populäre Network-Serien wie “Navy CIS” herankommen, wie Derek Thompson in einem lesenswerten Artikel für den “Atlantic” feststellt.

Thompson bringt es sehr gut auf den Punkt, wenn er schreibt, dass die Welt in der Filmkritiker leben, eine ganz andere ist als die der Menschen, die immer noch in sehr großer Zahl konventionelle Fernsehserien im linearen Fernsehen ansehen – über die diese Kritiker wiederum so gut wie nie etwas schreiben.

Allen kulturpessimistischen Untergangsprognosen zum Trotz kann man nur sagen: das war schon immer so. Was neu ist, ist, dass es Fernsehserien gibt, die Thema der Kulturkritik sind. Und das ist doch immerhin schon mal eine Verbesserung.

Is House of Cards Really a Hit? - Derek Thompson - The Atlantic 

Noch mehr Oscar-Drehbücher

Einen ersten Schwung Drehbücher der diesjährigen Awards-Season habe ich bereits im Dezember vorgestellt, jetzt, wo die Nominierungen feststehen, gibt es vom Script Magazine einen schönen Nachschlag. Leider fehlen immer noch Favoriten wie “American Hustle”, “Blue Jasmin” und “Her”. Aber wenn man etwas googelt, findet man auch die.

Hier ist eine Auswahl der interessantesten neuen Bücher, die komplette Liste kann man beim Script Magazine ansehen. Und die Liste vom Dezember mit 15 weiteren Drehbüchern findet Ihr hier.

»Nebraska« von Robert W. Nelson

»Nebraska«
von Robert W. Nelson

»Dallas Buyers Club« von C. Borten & M. Wallack

»Dallas Buyers Club«
von C. Borten & M. Wallack

»The Spectacular Now« von S. Neustadter & M. H. Weber

»The Spectacular Now«
von Neustadter & Weber

»Frozen« von Jennifer Lee

»Frozen«
von Jennifer Lee

»Saving Mr. Banks« von Kelly Marcel and Sue Smith

»Saving Mr. Banks«
von K. Marcel and Sue Smith

»The Wolf of Wall Street« von Terence Winter

»The Wolf of Wall Street«
von Terence Winter

»August: Osage County« von Tracy Letts

»August: Osage County«
von Tracy Letts

»Fruitvale Station« von Ryan Coogler

»Fruitvale Station«
von Ryan Coogler

»The Way, Way Back«  von Nat Faxon und Jim Rash

»The Way, Way Back«
von Nat Faxon und Jim Rash

Anonymus über »Die ausbleibende Revolution«

Auf seinem Blog d-trick hat Dietrich Brüggemann ein 32-seitiges Papier eines unbekannten Autors mit dem Titel “Die ausbleibende Revolution” veröffentlicht. “Eine Analyse, was die Qualität der neuen US-Serien eigentlich ausmacht und warum genau diese Qualität im deutschen Fernsehen auf unbestimmte Zeit nicht zu sehen sein wird”, lautet die Einleitung des Aufsatzes, die den Inhalt gut auf den Punkt bringt.

Der Autor, angeblich selbst Drehbuchautor, spart in seiner Analyse nicht an beißender Kritik an deutschen Fernsehsendern und ihren Programmverantwortlichen. Verständlich, dass er da lieber unbekannt bleiben möchte und stattdessen unter dem Pseudonym “DJ Frederiksson” firmiert.

Die Analyse selbst ist scharfsinnig und kenntnisreich und liefert einen sehr guten Überblick über die Situation auf dem deutschen und internationalen Serienmarkt. Man hofft inständig, sie möge Pflichtlektüre in deutschen Fernsehredaktionen und Intendantenzimmern werden.

Umso bedauerlicher ist es, dass der Autor trotz seiner im Kern zutreffenden Analyse die Unterschiede zwischen Sparten- und Mainstream-Programmen ignoriert und damit so unterschiedliche Serien wie “Breaking Bad” und “Sherlock” in einen Topf wirft. So großartig “Breaking Bad” in künstlerischer Hinsicht auch ist – eine der “erfolgreichsten Serien aller Zeiten” war die Serie eben nicht, jedenfalls nicht nach Zuschauerzahlen. So wie man im Kino anerkennen muss, dass es mit Arthouse und Mainstream zwei völlig unterschiedliche Märkte gibt, muss man das auch für das Fernsehen akzeptieren.

Autorenserien wie “Breaking Bad”, “Mad Men” oder “The Wire” sind nicht nur bei uns sondern auch in den USA und überall sonst nur bei einem kleinen Nischenpublikum erfolgreich – ganz egal wie viel Raum die Diskussion über sie in den Feuilletons auch einnimmt. Derartige Serien von deutschen Free-TV-Sendern zu fordern, egal ob privat oder öffentlich-rechtlich, ist einfach nicht hilfreich. Es gibt einen Grund, warum diese Serien im Auftrag von Pay-TV-Sendern entstehen, für die, wie “Frederiksson” völlig richtig schreibt, die Quote kein Maßstab ist.

Aber es gibt eben auch moderne, innovative und unkonventionelle Serien wie “Dr. House”, “Sherlock”, “Borgen” oder “Homeland”, die sehr wohl mainstream-fähig sind. Wo sind die deutschen Versuche, derartig ambitioniertes, massentaugliches Fernsehen zu machen? Dass es diese Versuche erst gar nicht gibt, da hat “DJ Frederiksson” völlig recht, ist die eigentliche Bankrotterklärung des deutschen Fernsehens.

Dass die privaten Sender derartige Wagnisse scheuen ist nachvollziehbar, schließlich leben sie von der Quote. Und auch den öffentlich-rechtlichen Sendern muss man zugestehen, dass eine teure eigenproduzierte Serie quotenmäßig zumindest in der Nähe des Senderschnitts liegen sollte. Aber: gäbe es im deutschen Fernsehen zur Primetime eine hervorragend gemachte Politserie wie “Borgen” oder “The West Wing” – welcher Politiker würde den Sendern wohl vorwerfen, dass sie nicht die selbe Quote bringt wie der sonntägliche “Tatort”? Welcher Publizist würde es wagen, die Existenzberechtigung eines öffentlich-rechtlichen Senders, der so ein Programm macht, in Frage zu stellen? Denn, da haben die Intendanten durchaus recht, um die Legitimation der Existenz der Öffentlich-rechtlichen geht es inzwischen durchaus.

Wann verstehen die öffentlich-rechtlichen Programmmacher endlich, dass sie sich und ihre Sender einzig und allein durch die gesellschaftlich anerkannte Qualität ihres Programms unersetzbar machen können und nicht durch möglichst gute Quoten? Dass den Öffentlich-rechtlichen eine solche breite gesellschaftliche Anerkennung für ihr Programm derzeit fehlt, wird ernsthaft wohl niemand bestreiten wollen.

Aber derartige Gedankenspiele sind den öffentlich-rechtlichen Programmmachern offenbar völlig fremd. Zumindest lassen die zunehmend realitätsfremden Aussagen einzig und allein auf Quoten fixierter öffentlich-rechtlicher Programmverantwortlicher nichts anderes vermuten.

Das Gefühl, dass es eine Revolution im deutschen Fernsehen braucht, wird immer drängender. Gleichzeitig steigen nicht nur bei Autoren wie “DJ Frederiksson” die Befürchtungen, dass diese längst überfällige Zeitenwende in deutschen Fernsehredaktionen leider ausbleiben wird. Und das ist, man kann es nicht anders sagen, ein Jammer.

»House of Cards«: Portrait Beau Willimon

Nachdem “House of Cards” auf Sat.1 grandios gefloppt war, schrieben einige pikierte Journalisten, das wäre der Beweis, dass der deutsche Fernsehzuschauer zu doof für gutes Fernsehen sei. Dabei war es vielmehr nur ein weiterer Beweis dafür, dass die hochgelobten amerikanischen Qualitätsserien nichts für ein Mainstream-Publikum sind – bei uns genauso wenig wie in den USA.

Wer die Serie trotzdem gesehen hat oder mehr darüber erfahren möchte, der sollte das ausführliche Portrait von “House of Cards”-Showrunner Beau Willimon im Magazin der New York Times lesen.

Darin erfährt man nicht nur, dass neben David Fincher auch Jodie Foster bei einigen Episoden der Polit-Serie Regie geführt hat, sondern bekommt mal wieder bestätigt, dass das eigentliche Erfolgsgeheimnis dieser Serien die starke Rolle des Autoren bzw. Showrunners ist, weshalb man sie eigentlich am besten als “Autorenserien” bezeichnen sollte.

Leider haben wir keine finanziell gut ausgestatteten Pay-TV- oder Spartensender, die es sich leisten könnten, derartige Serien zu produzieren. Aber wir haben öffentlich-rechtliche Sender, die dem, was Pay-TV ist, eigentlich sehr nahe kommen könnten – wenn sie nur das Selbstverständnis etwa des dänischen Staatsfernsehens an den Tag legen würden, dass es die erste Aufgabe eines öffentlich finanzierten Senders sein sollte, vor allem Qualität zu produzieren und nicht Quote.

Stattdessen machen unsere Öffentlich-rechtlichen mit ihrem Senioren-Fernsehen lieber ihre eigene Form des Spartenfernsehens.